Umwelt-Labels und Zertifikate: Zwischen Nachhaltigkeit und Marketing-Instrument
Eine Vielzahl von Produktlabels, Gebäudezertifikationen und Materialdeklarationen machen es Bauherren und Planern nahezu unmöglich, den Durchblick zu behalten. Produkthersteller hingegen sehen sich mit Anfragen nach Deklarationen und Nachweisen konfrontiert.
Mit diesem Artikel wollen wir einen Blick auf die wichtigsten und – jedenfalls für Deutschland – gängigsten Zertifizierungs-Labels in puncto Umwelt- und Verbraucherschutz werfen. Die Systeme findet man in den Bereichen Verlegewerkstoffe, Lacke/Lasuren, Wandfarben, Tapeten und selbstverständlich bei den unterschiedlichen Bodenbelagsarten. Als Quelle für die Auflistung dienten die Internetseiten des Umweltbundesamtes und der jeweiligen Zertifizierungssysteme, die im Folgenden wiedergegeben und zitiert werden. Hiermit wollen wir unseren Lesern lediglich eine schnelle Übersicht der undurchsichtigen und verwirrenden Vielzahl von unterschiedlichen Systemen aufzeigen.
Was aber auffällt, wenn man die einzelnen Seiten durchforstet und nach den Selbstbeschreibungen und Definitionen der jeweiligen Zertifizierungssysteme sucht – überall ist auch die Rede von Marketing. So werden hier Systeme als »Marketing-Instrument« oder als »überzeugendes Argument für den Verbraucher« angepriesen.
Zertifizierungssysteme
Der Begriff »Green Building« ist in aller Munde und umschreibt ein Objekt, das eine sehr hohe Ressourceneffizienz in Energie, Wasser und Material aufweist und gleichzeitig eine erhebliche Reduktion von Gesundheits- und Umweltbeeinträchtigungen bietet, da schon bei der Planung, Ausführung und/oder Sanierung auf besonders ressourcenschonendes Bauen Wert gelegt wurde. Dabei sind Bauprodukte für Ausbau und Fassade sowie Fußbodentechnik von großer Bedeutung. Das »Green Building«-Konzept trägt auch der Immobilienwirtschaft Rechnung: Denn in Sachen Investitionsentscheidungen spielen Nachhaltigkeitskriterien eine entscheidende Rolle. »Green Buildings« haben je nach Land unterschiedliche Labels – ebenso wie Produkte.
Derzeit gibt es drei Systeme. Am bekanntesten, vor allem auf internationaler Ebene, ist das »LEED«-System.
Das amerikanische »LEED«-Zertifikat ist ein international anerkanntes Zertifizierungssystem und steht mit seiner Abkürzung für »Leadership in Energy and Environmental Design« und klassifiziert Gebäude gemäß ihrer Nachhaltigkeit. Die Bewertung nach »LEED«-Kriterien bezieht sich auf alle Phasen des Lebenszyklus von Gebäuden und kann auf nahezu alle Arten von Immobilien angewendet werden.
Das »LEED«-Zertifikat wurde 1998 nach dem Vorbild des britischen »BREEAM«-Zertifikats, was als eines der »ältesten« Zertifizierungssysteme gilt, entwickelt und kann als Basis-Zertifikat sowie in den Stufen Silber, Gold und Platin erworben werden. Für die Einführung und stetige Weiterentwicklung des Systems sind der United States Green Building Council (USGBC) mit Hauptsitz in Washington bzw. der Canada Green Building Council (CaGBC) mit Hauptsitz in Ottawa verantwortlich. In Deutschland ist seit 2012 der German Green Building Association e.V. (GGBA) offizieller Partner des U.S. Green Building Council (USGBC) und damit auf nationaler Ebene der zuständige Ansprechpartner für die komplette DACH-Region.
Bei der Zertifizierung werden Gebäude nach einem umfangreichen Bewertungssystem durch Punktevergabe für einzelne Kriterien bewertet. Die Summe der erreichten Punkte entscheidet, wie das Bauwerk bei der Zertifizierung eingestuft wird. Das System ermöglicht eine objektive Bewertung der Nachhaltigkeitskriterien auf wissenschaftlicher Basis.
Ein weiteres Glied der Kette stellt das »Deutsche Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen« dar. Träger ist die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).
Um nachhaltiges Bauen praktisch anwendbar, messbar und damit vergleichbar zu machen, hat die DGNB ein eigenes Zertifizierungssystem entwickelt. Dieses ist in unterschiedlichen Varianten für Gebäude, Innenräume und Quartiere verfügbar – sowohl für Neubauten als auch für Bestandsprojekte. Als Planungs- und Optimierungstool hilft das DGNB-System, die reale Nachhaltigkeit in Bauprojekten zu erhöhen. Der unabhängige Zertifizierungsprozess dient dabei der transparenten Qualitätskontrolle.
Innerhalb der Zertifizierung wird konsequent der gesamte Lebenszyklus eines Projekts betrachtet – im Hinblick auf die Umweltwirkungen und Ressourcenverbräuche genauso wie in Bezug auf die Kosten für die Bewirtschaftung und Instandhaltung. Die drei zentralen Nachhaltigkeitsbereiche Ökologie, Ökonomie und Soziokulturelles fließen gleichgewichtet in die Bewertung mit ein. Als wichtiges Instru- ment zur Förderung des nachhaltigen Bauens vergibt die DGNB ein Zertifikat in Platin, Gold oder Silber für herausragende Gebäude.
Umwelt-Labels und Zertifikate
AgBB-Schema/VOC
Bauprodukte können wesentlich zur Belastung der Innenraumluft durch flüchtige organische Verbindungen (VOCs) beitragen. Um die Grundlage für eine einheitliche und nachvollziehbare gesundheitliche Bewertung von Bauprodukten in Deutschland bereitzustellen, hat der Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten (AgBB) Prüfkriterien erarbeitet und daraus ein Bewertungsschema für VOC-Emissionen aus innenraumrelevanten Bauprodukten entwickelt. Das Bewertungsschema setzt gesundheitsbezogene Qualitätsmaßstäbe für die Herstellung von Bauprodukten für den Innenraum und soll die Entwicklung besonders emissionsarmer Produkte unterstützen.
Beurteilt werden VOCs, TVOCs (Total Volatile Organic Compounds), TSVOCs (Total Semi Volatile Organic Compounds) und Aldehyde, die aus Bauprodukten in einer Prüfkammer am 3. und am 28. Tag ausgasen. In das Bewertungsschema gehen neben der Konzentration auch gesundheitsschädliche Eigenschaften ein. Erfüllt ein Bauprodukt die Anforderungen des AgBB-Schemas, entstehen nach heutigem Wissensstand bei Verwendung dieses Bauprodukts keine gesundheitlich bedenklichen Raumluftbelastungen.
»Blauer Engel«
Der »Blaue Engel« ist die erste und älteste umweltschutzbezogene Kennzeichnung der Welt und zeichnet seit über 40 Jahren Produkte und Dienstleistungen (Lebensmittel ausgenommen) aus. Heute tragen rund 12000 Produkte und Dienstleistungen den »Blauen Engel«. Träger ist das Bundesumweltministerium.
Die Kriterien des »Blauen Engels« sind abhängig von der Produktgruppe. Für jede wird ein Katalog von Vergabekriterien erstellt. Dieser wird typischerweise alle drei bis vier Jahre erneuert. Dadurch können Marktentwicklungen und die Entwicklung neuer Produktalternativen berücksichtigt werden.
Die Kriterien kommen aus den Bereichen Klima, Umwelt und Gesundheit, Wasser sowie Ressourcen und können je nach Produktgruppe unterschiedlich gewichtet sein. Immer dann, wenn die Kriterien für eine Produktgruppe erneuert werden, wird auch erneut kontrolliert und im Zweifelsfall das Label »Blauer Engel« entzogen.
Mit dem Label können Unternehmen ihre umweltfreundlichen Produkte seriös am Markt bewerben. Unsere Branche hat sich mehr und mehr dieser Zertifizierung geöffnet. Einer von vielen Gründen dafür: Endverbraucher sprechen darauf an.
Für die unterschiedlichen Bereiche der Innenraumausstattung gibt es unterschiedliche Klassifizierungen des »Blauen Engels«. Sie erfüllen die geforderten Begrenzungen der Emissionen von flüchtigen organischen Verbindungen (wie Lösemittel, Restmonomere) und von Formaldehyd und enthalten keine krebserzeugenden, erbgutverändernden, fortpflanzungsgefährdenden, sehr giftigen und giftigen Stoffe und/oder keine hallogenorganischen Flammschutzmittel und Phthalate.
Häufigste Verwendung für Farbe und Lacke: »Blauer Engel DE-UZ 102« oder »Blauer Engel DE-UZ 12a«, für Tapeten und Raufaser: »Blauer Engel DE-UZ 35«. Vorwiegend werden hölzerne Bodenbeläge mit dem »Blauen Engel DE-UZ 38« gekennzeichnet. Auch für elastische Bodenbeläge gibt es eine solche Kennzeichnung mit »Blauer Engel DE-UZ 120«, für textile Bodenbeläge ist der »Blaue Engel DE-UZ 128« bestimmt.
»Cradle to Cradle«
»Cradle to Cradle« ist ein unabhängiges und international anerkanntes Konzept, das wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse anwendet, um Lösungen für eine echte Kreislaufwirtschaft zu fördern. Ins Leben gerufen wurde »Cradle to Cradle« in den 1990er Jahren von William McDonough und Dr. Michael Braungart. Im Jahr 2010 wurde das Cradle to Cradle Products Innovation Institut zur Verwaltung des Zertifizierungssystems und der Methodik gegründet.
»Cradle to Cradle« bedeutet Ökoeffektivität, das heißt, es beschreibt einen bestimmten nachhaltigen Herstellungsprozess. »Cradle to Cradle« (von der Wiege zur Wiege) ist ein Designkonzept mit einer Herangehensweise zur Gestaltung und Herstellung ökologisch intelligenter Produkte. Es handelt sich dabei um eine Produktzertifizierung. Die Inhaltsstoffe der Produkte können bis nahezu 100 Prozent zurückgewonnen werden, anstatt diese als Abfall zu deponieren, zu verbrennen oder zu recyceln.
Das »Cradle to Cradle«-Zertifikat beinhaltet die Beurkundung der Verwendung von umweltsicheren, gesunden und wiederverwertbaren Materialien (technische Wiederverwertung oder Kompostierung), Verwendung von regenerativen Energieformen, den verantwortungsvollen Umgang mit Wasser sowie die Strategien zu sozialen Verpflichtungen des Unternehmens (basierend auf SA8000/WRAP). Zertifikate gibt es in fünf Abstufungen: »Basic«, »Bronze«, »Silber«, »Gold« oder »Platin«, die das Leistungsspektrum unter zertifizierten Produkten anerkennen und Anreiz für Fortschritt schaffen. Sie sind jeweils zwei Jahre gültig, bevor eine neue Überprüfung anfällt. Um eine bestimmte Zertifizierungsstufe zu erlangen, muss ein Produkt die Mindestanforderungen der entsprechenden Stufe in allen nachstehend genannten fünf Kategorien erfüllen.
Materialgesundheit: Bestandsaufnahme aller Inhaltsstoffe, damit diese auf ihre toxikologischen und ökotoxikologischen Eigenschaften hin bewertet werden können. Alle schädlichen Chemikalien müssen ersetzt werden, sodass die Bestandteile des Produktes gesunde Nährstoffe für Materialkreisläufe sein können.
Materialkreislauf: Produkte werden so gestaltet, dass ihre Bestandteile entweder biologisch abbaubar sind oder – als Teil des biologischen oder technischen Kreislaufs – recycelt werden können. Bei jeder Zertifizierungsstufe müssen Fortschritte erzielt werden, um die Kreisläufe der Materialien zu verbessern.
Erneuerbare Energien und Klima: Bis zu 100 Prozent der Produktionsenergie müssen aus erneuerbaren Energiequellen stammen, sodass die Produktion klimaneutral gestaltet wird.
Wassermanagement: Bei jeder Zertifizierungsstufe müssen Fortschritte erzielt werden, sodass das gesamte Abwasser nach und nach Trinkwasserqualität erreicht.
Soziale Verantwortung: Das Unternehmen wird so geführt, dass alle Menschen und Ökosysteme mit Respekt behandelt werden und ein ständiger Fortschritt in Richtung einer insgesamt positiven Wirkung auf Menschheit und den Planeten erzielt wird.
In kaum einem anderen Wirtschaftssektor ist der Materialverbrauch so hoch wie in der Baubranche. Einiges davon kann zwar im Zuge von Abbruch- oder Umbauarbeiten recycelt werden, allerdings bei weitem nicht genug, um zur Lösung der Rohstoff- und Umweltprobleme beizutragen. Das »Cradle to Cradle«-Designkonzept, das kreislauffähiges, gesundes und nachhaltiges Bauen ermöglicht, schließt diese Lücke.
Emicode
Wenn es um die Sicherheit bei Verlegewerkstoffen wie etwa Klebstoffe, Grundierungen, Spachtelmassen und Unterlagen mitsamt den Emissionen geht, ist man beim Emicode gut aufgehoben. Unternehmen der deutschen Klebstoffindustrie haben die Gemeinschaft Emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe (GEV) gegründet. Zweck dieser Initiative ist es, Planern, Verbrauchern und Fachhandwerkern firmenübergreifend und wettbewerbsneutral eine einfache und verlässliche Orientierungshilfe bei der Beurteilung und Auswahl von Verlegewerkstoffen unter Gesichtspunkten des Verbraucher- und Umweltschutzes zu geben: das Produkt-Kennzeichnungssystem Emicode.
Emicode ist ein markenrechtlich geschütztes Umweltzeichen zur Produktklassifizierung für emissionsarme Verlegewerkstoffe und Bauprodukte. Um mit dem Emicode-Siegel ausgezeichnet werden zu können, müssen Hersteller ihre Produkte bei anerkannten Instituten aufwendigen Prüfungen unterziehen. Auf Grundlage der wissenschaftlich ermittelten Messdaten werden die Produkte in verschiedene Siegelkategorien eingeordnet.
- Emissionsarme Produkte werden mit dem Emicode »EC2« ausgezeichnet. Diese Klasse erfüllt die Grundvoraussetzungen zum Erhalt eines Emicode-Siegels.
- Die Klasse Emicode »EC1« hat sich über viele Jahre als Standard für sehr emissionsarme Produkte bewährt. Die mit diesem Siegel ausgezeichneten Produkte erfüllen höchste Umwelt- und Gesundheitsansprüche.
- Das Emicode-Siegel »EC1 Plus« ist die Premiumklasse, die die Grenze des technisch Machbaren beschreibt. 2010 eingeführt, setzt sie noch einmal deutlich strengere Grenzwerte als die Klasse »EC1«.
Ausschließlich Produkte, die die strengen Emissionsansprüche erfüllen, dürfen mit dem Emicode-Siegel gekennzeichnet werden. Die Hersteller verpflichten sich, diese Produkte qualitätsgesichert und kontrolliert zu produzieren, um den Emicode-Vorgaben jederzeit zu entsprechen. Um höchstmögliche Sicherheit in Bezug auf die Emissionsaussagen der Produkte garantieren zu können, werden die Produkte regelmäßig von unabhängigen, international anerkannten Prüfinstituten stichprobenartig kontrolliert. Das Siegel ist bislang in 20 Sprachen erhältlich.
EPD
EPD (Environmental Product Declaration) bezeichnet die sogenannte Umweltproduktdeklaration. Sie enthält auf wenigen Seiten umweltrelevante Informationen zur Ökobilanz und dem gesamten Lebensweg eines Produkts. Neben bauphysikalischen Informationen werden Angaben zu den Grundstoffen und deren Herkunft gemacht, der Herstellungsprozess wird beschrieben und Hinweise zur Verarbeitung gegeben. Auch technische Aspekte, Nachweise und Prüfungen, zum Beispiel bezüglich Schallschutz oder Brennbarkeit, sind dokumentiert.
Die sachlichen und technischen Grundlagen der EPD müssen nachprüfbar sein und den Anforderungen der ISO 14025 für Umweltzeichen, der ISO 21930 für EPD von Bauprodukten sowie der präzisierenden EN 15804 über Produktkategorieregeln (PCR) für Bauprodukt-EPD entsprechen.
Kernelement der Produktdeklaration ist eine Ökobilanz nach klar vorgegebenen Regeln. Für jedes Produkt müssen Ökobilanzdaten zur Verfügung gestellt werden, von der Rohstoffnutzung bis zum Fabriktor, auch inklusive der Nutzungs- und Nachnutzungsphase. Die Prüfkriterien sind unter Einbeziehung unabhängiger Dritter entwickelt und die Deklarationen werden unabhängig überprüft.
»EU-Ecolabel«
Das EU-Ecolabel (ehemals EU-Blume) wurde 1992 von der Europäischen Kommission ins Leben gerufen. War zunächst nur die Kennzeichnung von Produkten vorgesehen, so besteht seit dem Jahr 2000 auch die Möglichkeit, Dienstleistungen mit dem EU-Ecolabel zu kennzeichnen.
Die Vergabe erfolgt an Produkte und Dienstleistungen, die geringere Umweltauswirkungen aufweisen. Mit dem EU-Ecolabel soll der Verbraucher die Möglichkeit haben, umweltfreundlichere und gesündere Produkte sowie Dienstleistungen identifizieren zu können.
Das Spektrum reicht von Wasch- und Reinigungsmitteln über Textilien und Schuhe, Schmierstoffe, Farben und Lacke bis zu Beherbergungsbetrieben und Campingplätzen. Ausgeschlossen von der Vergabe sind zum jetzigen Zeitpunkt Nahrungsmittel, Getränke, Arzneimittel und medizinische Geräte. Das EU-Ecolabel ist in allen 28 EU-Mitgliedsstaaten sowie Norwegen, Island und in Liechtenstein anerkannt.
Zeicheninhaber des EU-Ecolabels ist die Europäische Kommission. Oberstes Gremium ist das European Union Ecolabelling Board (EUEB). Zu seinen Aufgaben gehören die Unterstützung bei der Entwicklung und Überarbeitung der jeweiligen Kriterien für das EU-Ecolabel und die Unterstützung bei deren Implementierung. Das EUEB setzt sich zusammen aus Vertretern der einzelnen Mitgliedsstaaten (den Competent Bodies) und weiteren Mitgliedern aus Industrie, Umwelt- und Verbraucherverbänden, Gewerkschaften, kleinen und mittleren Betrieben sowie dem Handel.
Seit 1992 sind das Umweltbundesamt (UBA) und die RAL gGmbH als zuständige Stelle (Competent Body) bei der Europäischen Kommission für Deutschland benannt worden. Dabei ist das Umweltbundesamt für die fachliche Seite bei der Neu- und Weiterentwicklung von Vergabekriterien zuständig und unterstützt die RAL gGmbH fachlich bei der Antragsbearbeitung. Die RAL gGmbH prüft eingehende Anträge auf Nutzung des EU-Ecolabels und schließt nach positiver Prüfung die entsprechenden Zeichenbenutzungsverträge mit den jeweiligen Zeichennehmern ab.
FSC und PEFC
Die FSC-Zertifizierung des eingesetzten Holzes oder Holzwerkstoffs ist Bestandteil der Vergabegrundlage des »Blauen Engels«. Auch gleichwertige Zertifizierungssysteme (etwa PEFC) werden anerkannt. Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale, gemeinnützige Organisation mit dem Ziel, mithilfe eines Siegels ökologisch und sozial verantwortliche Waldbewirtschaftung global auf Produkten sichtbar zu machen.
In FSC-zertifizierten Wäldern wird Holz nach hohen ökologischen und sozialen Standards produziert. Mit den FSC- Labels gibt er dem Verbraucher die Möglichkeit, sich bewusst für Produkte aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft zu entscheiden.
Um sicherzustellen, dass Produkte, die das FSC-Label tragen, auch tatsächlich aus den entsprechenden Rohstoffen hergestellt wurden, setzt der FSC das bewährte Instrument der Produktkettenzertifizierung Chain of Custody (COC) ein: Dazu muss jedes Unternehmen in der Produktkette, vom Wald bis zum Endkunden, ein innerbetriebliches Verfahren aufbauen, das sicherstellt, dass FSC-zertifizierte Materialien jederzeit identifizierbar bleiben. Hält das Unternehmen alle Regeln ein, wird ihm das FSC-Zertifikat verliehen. Dieses berechtigt dann dazu, mit FSC zu werben und die zertifizierten (End-)Produkte mit dem FSC-Label auszuzeichnen. Die verschiedenen FSC-Labelarten zeigen dabei an, ob ein Produkt ausschließlich aus Recyclingmaterial besteht, aus FSC-zertifizierter Forstwirtschaft stammt oder eine Mischung von verschiedenen Rohmaterialien enthält. Durch den Kauf dieser Produkte kann der Verbraucher direkt einen Beitrag zur Verbesserung der Wälder leisten.
Das Programm for the Endorsement of Forest Certification Schemes (PEFC) ist ein internationales Waldzertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung, dem neben europäischen Ländern auch Länder anderer Kontinente angehören. Das PEFC-Siegel garantiert, dass das verwendete Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern kommt.
Betriebe, die nach PEFC zertifiziert sind, zeigen Engagement für die Umwelt und ihre Verantwortung im Umgang mit dem unverzichtbaren Roh- und Werkstoff Holz. PEFC ist ganzheitliche Nachhaltigkeit: ein integratives Konzept, das ökologische, soziale und ökonomische Aspekte verbindet. PEFC ist der Garant für eine kontrollierte Verarbeitungskette – unabhängig überwacht, lückenlos nachvollziehbar und nachhaltig.
Heute werden bereits mehr als 300 Mio. Hektar Waldfläche nach den strengen Standards von PEFC bewirtschaftet. Die Bewirtschaftung wird durch unabhängige Organisationen kontrolliert.
Trägt ein Produkt aus Holz das PEFC-Siegel, dann heißt das: Die gesamte Produktherstellung, vom Rohstoff bis zum gebrauchsfertigen Endprodukt, ist zertifiziert und wird durch unabhängige Gutachter kontrolliert.
GUT
1990 gründeten führende europäische Teppichbodenhersteller in Aachen die Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V., kurz GUT.
Die GUT sorgt für Umwelt- und Verbraucherschutz in jedem Stadium des Produktkreislaufs eines Teppichbodens: von der Herstellung über die Verlegung, von täglichem Gebrauch bis hin zum Recycling. Nach strenger Prüfung der Kriterien (und Erfüllung dieser!) erhält das jeweilige Produkt das GUT-Signet. Nur Produkte, die den strengen GUT-Normen entsprechen, erhalten die GUT-Prüfnummer. Diese auf der Produktrückseite aufgebrachte Nummer bietet die Gewähr, dass der jeweilige Teppich durch eines der anerkannten Prüfinstitute getestet wurde. Durch jährliche Kontrollprüfungen bei den Herstellern und im Markt wird die Einhaltung der GUT-Kriterien überwacht.
»natureplus«
Mit dem »natureplus«-Label werden nur solche Produkte zertifiziert, die zu mindestens 85 Prozent aus nachwachsenden und/oder mineralischen Rohstoffen bestehen und die die Anforderungen der festgelegten Kriterien hinsichtlich Gesundheits- und Umweltverträglichkeit während des gesamten Lebenszyklus erfüllen. Als Beispiel soll hier der Bodenbelag Linoleum angeführt sein.
»natureplus« ist eine internationale Umweltorganisation, die eine nachhaltige Entwicklung im Bausektor zum Ziel hat. Zeicheninhaber ist der Internationale Verein für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen e.V. (natureplus e.V.). Zu den Mitgliedern gehören Hersteller, Händler, Verbraucher- und Umweltorganisationen, Planer, Berater und Anwender sowie Prüfinstitute.
Wichtigstes Instrument zur Durchsetzung einer nachhaltigen Entwicklung im Baubereich ist das »natureplus«-Qualitätszeichen. Das Zeichen soll in erster Linie Verbrauchern, aber auch Architekten, Handwerkern, Baufirmen und allen am Bau Beteiligten sichere Orientierung auf nachhaltige, umweltverträgliche und gesundheitlich unbedenkliche Produkte bieten.
Um Verbrauchern und Herstellern das Vertrauen zu geben, dass ein vorbeugender Gesundheitsschutz und die Einhaltung gesetzlicher Anforderungen beständig gewährleistet sind, werden im Rahmen der »nature- plus«-Zertifizierung seit April 2019 die Emissionen aus Bauprodukten nach der neuen Vergaberichtlinie 5010 bewertet.
»TÜV PROFiCERT-product Interior«
Das Label »TÜV PROFiCERT-product Interior« wird in Kooperation des TÜV Hessen mit der TFI Aachen GmbH sowie dem Entwicklungs- und Prüflabor Holztechnologie GmbH (EPH) auf dem Gebiet der Produktzertifizierung vergeben. Das Label kann für alle Innenraumprodukte beantragt werden, beispielsweise für Boden-, Decken- und Wandbeläge aller Art. Es zeichnet schadstoff- und emissionsarme Bauprodukte aus und trägt zu transparenten Aussagen auf einer vergleichbaren Basis für den Verbraucher bei.
Das Qualitätslabel gibt es in zwei Varianten: Standard umfasst Emissionskriterien unter anderem nach »AgBB-Schema« und der französischen Emissionsklasse »A«, Premium beinhaltet zusätzlich Anforderungen nach den Emissionskriterien wie beispielsweise der französischen Emissionsklasse »A+«, »RAL UZ«, »BREEAM« und »EC1 Plus«. Es unterstützt insbesondere die gesundheitlichen und ökologischen Aspekte im Bereich des Bauens und fördert damit eine bessere Innenraumluftqualität.
Die Überprüfung der Einhaltung der Vergabekriterien des Labels findet durch regelmäßige und umfassende Kontrollen in Form von Überwachung, Audits und Wiederholungsprüfungen statt.
Die Gültigkeitsdauer des Zertifikats beträgt in der Regel drei Jahre, vorausgesetzt, die jährlich notwendigen Überwachungsaudits werden mit positivem Ergebnis durchgeführt.
Die Anerkennung des »TÜV PROFiCERT-product Interior«-Labels erfolgt auf Grundlage der vom Labelgeber angegebenen Vorgaben und der vom Hersteller eingereichten Gleichwertigkeitsnachweise.
Quellen: umweltbundesamt.de, dgnb.de, breeam.org, emicode.com, environdec.com, eu-ecolabel.de, fsc-deutschland.de, pefc.de, pro-dis.info, environdec.com, tfi-aachen.de

