07.04.2017 | Fachthemen Seite 7 in Ausgabe 4/2017

Ungekürzte Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe

Unter den Teppich gekehrt.

Studie der Deutschen Umwelthilfe enthüllt unökologische Entsorgung von ­alten Teppichböden in Deutschland. Bis zu 400 000 Tonnen alter Teppich­böden werden jedes Jahr verbrannt:  DUH kritisiert Greenwashing von Markenherstellern wie Desso und Interface. Umweltverband fordert nachweislich recyclingfähige Produkte, flächendeckende Sammel­systeme und Recycling­anlagen in Deutschland, Einführung der Produkt­verantwortung für Teppichböden notwendig.­

Deutschland hat ein großes Umweltproblem bei der Entsorgung aus­rangierter Teppichböden. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Demnach werden in Deutschland jedes Jahr rund 400 000 Tonnen alter Teppichböden verbrannt. Dadurch werden massenhaft recyclingfähige Kunststoffe vernichtet, das Klima ­belastet und toxische Abfallpro­dukte erzeugt. Die DUH fordert alle Teppichbodenhersteller dazu auf, ihre Produkte re­cyclingfähig zu gestalten, flächen­deckende Sammelsysteme anzubieten und Recyclinganlagen in Deutschland aufzubauen. Weil die Teppichbodenhersteller bislang kaum Verantwortung für die Entsorgung ihrer Produkte übernehmen, sollte man sie durch die Ein­führung der Produktverantwortung gesetzlich dazu verpflichten.

In dem von der DUH veröffentlichten Bericht »Unter den Teppich gekehrt: das große Entsorgungsproblem der Teppichbodenindustrie in Deutschland« (die Studie liegt der Redaktion vor) wird die problematische Verbrennung von Teppichböden kritisiert und darüber berichtet, wie ­wenig sich die Hersteller um die Entsorgung ihrer Produkte nach ihrem Lebensende kümmern. Die Rück­nahme­mengen von Teppichen für ein Recycling werden auf rund 3 Prozent der in Verkehr gebrachten ­Menge geschätzt. Wobei die DUH davon ausgeht, dass selbst dieser kleine Anteil »recycelter Teppich­böden« zu minderwertigen Produkten, wie zum Beispiel Waschmaschinenteilen, Eimern oder Blumen­töpfen downgecycelt wird. Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz festgelegte Abfallhierarchie, wonach Abfälle vermieden oder (für die Verwendung im Kreislauf) recycelt werden sollten, wird nach den Recherchen der DUH schlichtweg nicht ­umgesetzt.

»Es ist nicht hinnehmbar, dass Teppichböden, die hochwertige, für das Recycling geeignete Kunststoffe enthalten, in Deutschland nahezu vollständig verbrannt werden. Wir sprechen bei rund 400 000 Tonnen Teppichböden im Jahr nicht von kleinen Mengen. In der Verpackungsbranche und bei der Entsorgung von Elektroaltgeräten wird ein verhältnismäßig großer Aufwand um jeden Prozentpunkt bei der Wiederverwendung und dem Recycling betrieben. Es ist unverständlich, dass bei den Herstellern von Teppichböden mit der weitgehenden Wertstoffverbrennung eine steinzeitliche Entsorgungspolitik erfolgt. Die technischen und strukturellen Voraussetzungen für eine separate Sammlung von Teppichböden sind ebenso vorhanden wie die Technologien zur Wiederverwendung und zum Recycling. Die Teppichindustrie muss jetzt damit beginnen, die gesetzlich festgelegte Abfallhierarchie umzusetzen«, fordert der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.

Die DUH fordert ordnungsrechtliche Vorgaben gegenüber der Teppich­bodenindustrie und die Einführung der Produktverantwortung. Verbindliche Vorgaben zur Wiederverwendung und zum Recycling könnten darüber hinaus auch im Rahmen einer möglichen Sperrmüllverordnung festgelegt werden. Gleichzeitig sollte die Verbrennung recycling­fähiger Materialien ökonomisch unattraktiv gemacht werden.

»Bisher haben die Teppichbodenhersteller versucht, die unökologische Entsorgung ihrer Produkte unter den Teppich zu kehren. Durch Begriffe wie ›thermisches Recycling‹, was nichts anderes als die Ver­brennung von Wertstoffen bedeutet, soll eine stoffliche Verwertung vorgegaukelt werden«, kritisiert der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft, Thomas Fischer. Besonders be­dauer­lich sei es, dass die als nachhaltig ­geltenden Teppichbodenhersteller Desso und Interface, trotz ambitionierter Nachhaltigkeitsversprechungen über geschlossene Wertstoffkreisläufe, bis heute nur zwischen 1,5 und 3 Prozent der von ihnen in Verkehr gebrachten Teppichböden für ein Recycling zurücknehmen. Der Rest werde verbrannt oder lande auf Deponien. »Die Fakten stehen in einem starken Widerspruch zu den Zielen von Interface, bis 2020 keine negativen Umweltauswirkungen mehr verursachen zu wollen, oder von Desso, bis 2020 alle Produkte nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip herzustellen«, so Fischer weiter.

Teppichbodenhersteller stehen vor der Herausforderung, zukünftig die Wiederverwendung und ein hochwertiges Recycling beim Produkt­design zu berücksichtigen, die Sammelmengen und Recyclingquoten deutlich zu erhöhen, Recyclingkapazitäten in Deutschland aufzubauen und die für die Herstellung eingesetzten Materialien auf den Produkten kenntlich zu machen.

Lesen Sie dazu auch das Editorial auf Seite 3 dieser Ausgabe.

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