14.08.2025 | Verlegewerkstoffe / Estrich / Technik Seite 64-66 in Ausgabe 5/2025

Uzin: Experimentelles Wohnprojekt

Inmitten des ehemaligen Flughafengeländes Riem in München setzt der Architekt Peter Haimerl mit dem sogenannten Wabenhaus einen kühnen Kontrapunkt zu konventionellen Wohnungsbauten. Für die WOGENO Baugenossenschaft entwarf er eine experimentelle Wabenstruktur, die neue Wohnformen und ein einzigartiges Raumgefühl ermöglichen soll.

Das Gebäude, das in Massivbauweise im Passivhausstandard errichtet wurde, besteht aus sechseckigen, horizontal gestapelten Wabenröhren, die zu einem Cluster zusammengefügt sind. Dieses innovative Konzept bietet Raum für rund 25 Wohnungen und Clusterzimmer für Wohngemeinschaften und fördert genossenschaftliches Leben.

Ein Raumkonzept ohne Geraden
Das Innenraumkonzept des Wabenhauses ist geprägt von räumlichen Verschachtelungen und vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten. Haimerl beschreibt es als ein Aufbrechen der üblichen Wandstrukturen einer Box, um ein neues Raumgefühl zu schaffen, bei dem das Rechteck zur Wabe wird. Das Ergebnis ist eine Wohnform mit gestapelten, durchgesteckten Wabenröhren, die fast ohne gerade Linien auskommt. Statt klassischer Wände gibt es nur Böden und Decken sowie schräge Böden, die anstelle von Wänden fungieren. Diese schrägen Flächen werden durch Stauchen der Seitenflächen der Sechsecke an die DIN-Norm für Treppen angepasst und ermöglichen es den Bewohnern, in die nächste Ebene zu gelangen, wodurch klassische Treppenhäuser entfallen. Lediglich eine »Himmelsleiter« verläuft schräg durch das Haus und verbindet die Etagen mit den gemeinschaftlich zugänglichen Aufenthaltsräumen.

Anspruchsvolle Bodenbeläge
Für die Bodenbeläge wurden neben Sichtestrich und Fliesen auch Parkettstab aus Hirn- und Längsholz Birke gewählt. Dieses Parkett, in den Abmessungen 1200 x 135 x 13,5 mm im wilden Verband verlegt, sorgt mit seiner hellen und ruhigen Oberfläche für Behaglichkeit und eine natürliche Anmutung. Die warme Ausstrahlung des Holzes setzt sich in den vom Architektenteam eigens entworfenen Möbeln aus Birkenholz fort, darunter Schränke, Regale und Sitzgelegenheiten als Tribüne sowie ausziehbare Tische. Für ein optimales Raumgefühl sorgen in jeder Wohnung Balkone und bodentiefe Fenster.
Die Verlegung des Parketts stellte aufgrund der einzigartigen Wabenstruktur eine besondere Herausforderung dar. Christina Ziegler von ParkettLust, die für die Ausführung verantwortlich war, betont, dass es im Wabenhaus fast keine Geraden gibt, was höchste Präzision und viele Anpassungen erforderte. Insbesondere an den Rändern und bei den Anschlüssen an Wände, Türen und Fenster, die oft an Schrägen lagen, musste alles perfekt stimmen. Die Notwendigkeit, die Schrägen am Boden zu übernehmen, führte zu einer Vielzahl präziser Schnitte, bei denen lediglich 3 bis 4 mm Toleranz bestanden. Zudem mussten die Übergänge zum Zementboden und zu den Fliesen exakt passen, wobei der Estrich höhenversetzt war, um die verschiedenen Belagsarten bündig zusammenzuführen.

Zuverlässige Verlegewerkstoffe
Für diese anspruchsvolle Aufgabe waren nicht nur handwerkliches Können, sondern auch absolut verlässliche Verlegewerkstoffe unerlässlich. Christina Ziegler setzte bei diesem Projekt auf Produkte von Uzin.
Vor der eigentlichen Parkettverlegung wurde die Estrichfeuchte gemessen und anschließend die einkomponentige PUR-Schnellgrundierung »UZIN PE 414 BiTurbo« aufgetragen. Diese Grundierung ist leicht zu verarbeiten, trocknet schnell und schafft eine griffige Untergrundfläche, die den Haftverbund zur nachfolgenden Verklebung des Parketts optimiert.
Der eigentliche Star der Verlegung war der schubfeste und sehr emissionsarme Parkettklebstoff »UZIN MK 250«. Er zeichnet sich durch seine hohe Saughaftung aus, die den nötigen Halt der Parkettstäbe gewährleistet. Zu seinen Vorteilen zählen eine lange Offenzeit, gute Verstreichbarkeit, eine starke Anzugskraft und ein hohes Stehvermögen. Hervorzuheben ist seine Umweltfreundlichkeit: Er ist lösemittelfrei, sehr emissionsarm, ohne weichmachende Inhaltsstoffe, trägt das Umweltlabel »Blauer Engel« und verfügt über eine Umweltproduktdeklaration (EPD), was ihn zur idealen Wahl für private Wohnräume macht. Ein weiterer Vorteil in dem eng getakteten Bauprozess war, dass der Boden bereits nach zwölf Stunden begehbar war.
Nach der Verlegung des Parketts trug das Team den faserarmierten Parkett-Fugenkitt »Pall-X Filler« auf. Nach kurzer Trocknungszeit erfolgte ein professioneller Schliff und abschließend die Oberflächenvergütung.

Verbindung durch neue Wohnformen
»Die Parkettverlegung in der Wabenform hat unsere volle Aufmerksamkeit verlangt«, zieht Ziegler ihr Resümee. »Vieles war einfach anders, ein anderes Raumgefühl, eine andere Flächenberechnung, eine andere Planung.« Das Ergebnis ist jedoch wie gewünscht: eine ruhige, flächige und sehr natürliche Oberfläche.
Das Wabenhaus in München-Riem ist mehr als nur ein Bauprojekt, es ist eine Verkörperung neuer Wohnformen, die sich in einer sich wandelnden Welt widerspiegeln. Peter Haimerl betont, dass die Wabenform für Verbindung, Erweiterung und Schwerelosigkeit steht, die es den Bewohnern ermöglicht, sich zugehörig zu fühlen statt Begrenzungen zu erfahren. Das genossenschaftliche Wabencluster ist einbindend und sozial, fördert Gemeinschaft und öffnet sich zur Nachbarschaft. Mit diesem Projekt wird ein Lebensraum geschaffen, der den Horizont erweitert und Räume der Zukunft bietet.

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