Uzin Utz Group: »Passion 2025« ist das neue Platinum
Die Strategie »Gold«, die von der Uzin Utz Group im Jahre 2014 ausgerufen wurde, läuft Ende 2019 aus. Es folgt zum Jahreswechsel das neue Leitmotiv »Passion 2025«. Ziel ist es, den Umsatz in den nächsten fünf Jahren auf 550 Mio. Euro zu erhöhen und das EBIT auf 8 Prozent zu steigern. Bei allen geplanten Vorhaben steht jedoch die Nachhaltigkeit im Mittelpunkt.
Mitte Oktober war es mal wieder soweit. Die Uzin Utz Group lud zum Pressetreff ein, um über das vergangene und laufende Geschäftsjahr zu informieren und um Neuheiten und Projekte vorzustellen. Eingeladen hatte man in diesem Jahr nach Haaksbergen/Niederlande in die »grüne Fabrik« von Uzin Utz Nederland, die zu den umweltfreundlichsten Industriebauten in den Niederlanden zählt.
Umsatz und Ergebnis gestiegen
Dank einer unverändert guten Baukonjunktur stieg der Umsatz zum 30. Juni 2019 um 9,3 Prozent auf 186,3 Mio. Euro gegenüber dem Vorjahreswert (170,5 Mio. Euro). Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit betrug 15,4 Mio. Euro, was einem deutlichen Plus von 17,6 Prozent zum Vor-jahreswert (13,1 Mio. Euro) entspricht. Bei einem EBIT von 15,4 Mio. Euro (13,3 Mio. Euro) ist die EBIT-Marge im Jahresvergleich von 7,8 auf 8,3 Prozent gestiegen. Die Halbjahreszahlen zeigen deutlich, dass die im letzten Jahr eingeleiteten strategischen Adjustierungen bei Rohstoffeinkauf, Logistik und Vertrieb die erwartete Wirkung vor allem auf der Ertragsseite entfaltet haben.
Auch der Auslandsumsatz ist weiter um 9,8 Mio. auf 116,3 Mio. Euro gewachsen. Neben den Fokusregionen Europa und Nordamerika tragen dabei zunehmend auch die Ländermärkte der Wachstumsregionen zum Ergebnis bei.
Ganzheitlicher Nachhaltigkeitsaspekt und wie er gelebt wird
»Wir richten unsere Unternehmensaktivitäten seit jeher auf Nachhaltigkeit aus und wollen auch in Zukunft diesen Ansatz weiterverfolgen«, erklärt Vorstandsmitglied Philipp Utz.
Der ganzheitliche Nachhaltigkeitsansatz prägt die Kernwerte des Unternehmens nun schon in der vierten Generation. »Unsere Produkte sind inzwischen zu fast 95 Prozent emissionsarm und mit Emicode EC 1 plus gekennzeichnet. Die ersten umweltfreundlichen Klebstoffe führte mein Vater H. Werner Utz bereits Mitte der 80er Jahre ein, den kompletten Lösemittelausstieg bei Klebstoffen vollzog die Uzin Utz AG 2011, als absoluter Vorreiter in der Branche«, erläutert Philipp Utz.
In mehreren Gesellschaften wurden mit »Cube it simple« alternative umweltfreundliche Verpackungen eingeführt, die aus einem gut stapelbaren Umkarton aus Altpapier und einem Innenbeutel aus Kunststoff bestehen. Im Vergleich zu einem herkömmlichen Kunststoffkanister lassen sich damit rund 75 Prozent Polymergrundstoff einsparen. Aktuell wird der Einsatz von Kunststoffkanistern aus recycletem Kunststoff (PCR) eingeführt und ausgeweitet. Bis Ende 2020 sollen ca. 500 Tonnen recyclete Verpackungsmaterialien verwendet werden.
Seit 2013 hat sich der Systemgedanke von Uzin auch auf der Produktebene entwickelt ‒ weg vom einzelnen Produkt und hin zu einem ökologisch nachhaltigen System. Ähnlich wie es beim »HydroBlock«-System zu sehen ist.
In den letzten Jahren hat man sich intensive Gedanken darüber gemacht, welchen Einfluss man als Unternehmen auf die Ökobilanz, also auf die CO₂-Bilanz der Produkte hat.
Der Einfluss, den man im Bereich der Produktion bzw. Logistik hat, das heißt Versorgung und Entsorgung der Werke, ist sehr begrenzt im Vergleich zu dem, was von Lieferanten bzw. was von der Rohstoffseite her möglich ist. Man ist also bei der Analyse zum Ergebnis gekommen, dass 80 Prozent der Emissionen der Produkte, die von Uzin in den Verkehr gebracht werden, auf der Rohstoffseite entstehen. Und das hat Uzin dazu bewogen, dass die Lieferanten noch stärker in die Pflicht genommen wurden, an dem »Code of Conduct« (Verpflichtungserklärung) teilzunehmen und volle Transparenz im Zusammenhang mit der Emissionsklassifizierung der Rohstoffe zu erteilen.
Um auch gegenüber den Lieferanten und Stakeholdern die Wichtigkeit signalisieren zu können, hat Uzin klar definiert, dass Nachweise erbracht werden müssen, wie ökologisch, nachhaltig und ökonomisch verantwortlich gehandelt wird.
»Insgesamt wird nachhaltiges Denken in vielerlei Hinsicht unser Handeln prägen. Einen internen und externen ›Code of Conduct‹, eine Roadmap zum ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, gibt es bereits«, so Philipp Utz.
Nachhaltigkeit bedeutet aber auch Kontinuität, und diese kann aus Sicht des Unternehmens keiner besser spielen als ein Familienunternehmen in vierter Generation.
2014 wurde eine Nachhaltigkeitsmatrix eingeführt, die relevante Themen bestimmten Handlungsfeldern zuordnet. Entstanden ist das 4-Säulen-Modell der Uzin Utz Group – Planet, People, Profit sowie Products & Services. Aus einer Umfrage heraus ergaben sich 13 Schwerpunktthemen, die sich in den heutigen »4 Ps« widerspiegeln.
Planet: operativer Umweltschutz, umweltfreundliche Produkte, Ressourceneffizienz
People: gesicherte Arbeitsplätze, Spenden/Sponsoring, transparente Kommunikation
Profit: ökonomische Nachhaltigkeit, Kundenbindung / starke Partnerschaften, Nachhaltigkeit in der Lieferkette
Products & Services: Innovationen, hohe Produktqualität, Kundengesundheit und -sicherheit
Aufforstungsprojekt »Plant-for-the-Planet«
Zielsetzung ist es, dass die Uzin Utz Group zukünftig CO₂-Neutralität dadurch erreicht, dass sie Teil der »Plant-for-the-Planet«-Organisation bzw. -Bewegung ist, wo sie aktiv neue Aufforstungen weltweit unterstützt. Die Zielsetzung ist auch ein Teil der Strategie, dass an jedem Standort, wo Uzin heute produziert und tätig ist, die Aufforstung entsprechend unterstützt wird. Auch hat Uzin Anfang des Jahres eine App ins Leben gerufen, wo jeder Mitarbeiter durch sein Handeln im Sinne einer sportlichen Aktivität dazu beitragen kann, dass er nicht nur sich gesund hält, sondern auch die Umwelt.
Für jeden Mitarbeiter, der sich eine Stunde sportlich betätigt, spendet die Uzin Utz Group fünf Euro für dieses Projekt. Bereits mit Stand 15. Oktober 2019 haben sich die Mitarbeiter 13 197 Stunden sportlich betätigt.
Das Geld wird zukünftig in einen Fond eingezahlt, der dazu dient, das CO₂-Speicherpotenzial zu erhöhen, da CO₂ nicht gefiltert, sondern nur gespeichert werden kann.
Einblicke in die zukünftige Unternehmensstrategie
Eine Zielsetzung der neuen Strategie ist es als international aufgestelltes Unternehmen, global zu denken, aber lokal zu handeln. Durch das konjunkturelle Wachstum und durch einen Teil der Marktverdrängung ist Uzin in den letzten Jahren gewachsen. Die Konjunkturaussichten zeigen jedoch auf, dass in den nächsten Jahren das Konjunkturwachstum das Wachstum der Gruppe nicht mehr so stark unterstützen wird wie in der Vergangenheit. Und daher wird das Unternehmen zukünftig stärker in die Märkte eintauchen und stärker aus eigener Kraft heraus wachsen.
»In der Strategie der kommenden Jahre sollen ein konzernweites Innovationsmanagement und eine stärkere internationale Ausrichtung vorangetrieben werden«, verdeutlicht Philipp Utz die Zielrichtung.
Eine Vision und eine Mission
Die Vision ist, weiterhin als Hersteller im Bereich der Bodenverlegesysteme eine führende Rolle in definierten Kern- und Wachstumsmärkten zu spielen. Uzin wird intensiv mit seinen Kunden an einem maximalen Wachstumspotenzial arbeiten und dies vor allem verstärkt in Bereichen nachhaltiger Produkte, die durch maßgeschneiderte Dienstleistungen ergänzt werden. Immer vor dem Hintergrund, damit die ökologische Nachhaltigkeit zu erhöhen.
Die Mission beschreibt die Umsetzung. Als Hersteller von Verlegesystemen engagiert sich die Uzin Utz Group mit »Passion 2025« für die Erfüllung der lokalen Anforderungen und Bedürfnisse ihrer Kunden – vom bodenlegenden Handwerker über den Großhandel bis hin zu Industriepartnern. Da der Markt sich strukturell national sowie international verändert, wird Uzin konsequent effiziente Produktsysteme und Dienstleistungen entwickeln. Das Unternehmen steht weiterhin für qualitativ hochwertige Produkte. Die Kunden erhalten jedoch neben dem Premiumsegment individuelle maßgeschneiderte Produkte im Standardsegment, auch für das bodennahe Handwerk.
Ziele bis 2025
Im Bereich Planet wurde unter anderem ein Ziel definiert, das messbar und für die Mitarbeiter nachvollziehbar ist. Uzin wird bis 2025 die CO₂-Emissionen bzw. die Emissionen von klimaschädlichen Treibhausgasen um 25 Prozent reduzieren. Zum einen über die Produkte und zum anderen auch sehr stark über die Produktionsstandorte.
Im Bereich People steht das Thema Mitarbeiterbindung und das Thema Integrität als Arbeitgeber im Fokus. Dort wurde definiert, dass Uzin sich mit einer 90-prozentigen Weiterempfehlungsquote in Zukunft noch stärker als attraktiver Arbeitgeber positionieren will.
Das sicherlich am einfachsten zu messende Ziel und die prägnanteste Kennzahl ist im Bereich Profit angesiedelt. In den nächsten fünf Jahren soll der Umsatz auf 550 Mio. Euro erhöht und das EBIT auf 8 Prozent gesteigert werden.
Im Bereich Products & Services wurde definiert, dass zukünftig über neuartige Produkte 5 Prozent des Umsatzes generiert werden. Hier könnte das Thema Industrialisierung im Handwerk oder Baugewerbe eine ganzheitliche Rolle spielen.
Auch über die Automatisierung einzelner Arbeitsschritte im Handwerk wurde nachgedacht. Durch die Maschinentechnik bei Wolff besteht die Möglichkeit, diesen Prozess zu begleiten. Überall dort, wo von Standardprozessen im Handwerk in der Bodenverlegung gesprochen wird, soll zukünftig der Automatisierungsgrad auf der Baustelle erhöht werden. Damit soll die Produktivität im verlegenden Handwerk erhöht und dem Kapazitätsengpass, der bereits heute gut erkennbar ist, entgegengetreten werden.
»Wir stellen uns internationaler auf und sind der absoluten Überzeugung, dass durch die definierten Maßnahmen auch das Engagement, die Strategie in dem gegebenen Zeitraum umzusetzen, deutlich höher ist als in der Vergangenheit. Ab Januar 2020 werden wir neue Märkte auftun, wir werden uns mit neuen Zielgruppen auseinandersetzen und das Unternehmen in eine neue Ära führen«, so Philipp Utz.
Marken der Uzin Utz Group
Ein Transformationsprozess in den nächsten Jahren wird sicherlich sein, dass die Marken der Uzin Utz Group stärker zusammengeführt werden, weil am Absatzmarkt stärkere Konvergenzen in der Art und Weise, wie Böden verlegt werden, gesehen werden.
Der Parkettleger verlegt heute nicht nur Parkett-Beläge, sondern auch LVT. Genauso wird das auch in der Handelsstruktur gesehen. Eine Positionierung als Komplettanbieter, und zwar als internationales Mehrmarken-Team, wird die Uzin Utz Group noch mehr stärken als bisher.
»Das Feld ist bestellt! Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir zukünftig weiter wachsen. Wir haben absolutes Vertrauen in unsere Mitarbeiter und auch in die neue Vorstandskonstellation. Wir sind sicher, dass das Unternehmen für die Zukunft gut aufgestellt ist, um die Herausforderungen, die kommen werden, auch zu meistern. Aber eines ist auch klar, die nächsten Jahre werden sicherlich noch herausfordernder als die vergangenen fünf Jahre«, betont Philipp Utz.
Den CO₂-Fußabdruck immer im Blick
Wie die Marke Uzin mit Produktion, Produkten, Verpackungen und Recycling bisher und in der Zukunft auf ökologische und internationale Anforderungen reagiert, erläuterte Jürgen Walter, Head of Business Unit Uzin. Im Mittelpunkt des Pressetages standen die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit, die Uzin seit Jahrzehnten weiterentwickelt, sowie neue Projekte zum Umwelt- und Klimaschutz.
»Unsere Innovationskraft investieren wir nicht nur in unsere Produkte, sondern auch in Prozesse. Bei beidem haben wir mögliche Reduktionen des CO₂-Fußabdrucks immer im Blick«, so Jürgen Walter. »Gleichzeitig steht die Qualitätssicherung bei hoher Auslastung sowie Höchstleistungen in Produktion und Logistik an erster Stelle.«
Ressourcenschonendes Bauen
»Uzin bietet für alle Baustellenanforderungen eine optimale Lösung, dabei werden sehr emissionsarme Produkte für uns immer wichtiger«, so Walter. Sie müssen für klima- und ressourcenschonende nachhaltige Gebäude mit höchsten Zertifizierungsstandards wie beispielsweise DGNB Platin, LEED Platinum, BREEAM oder andere geeignet sein. »Wir treiben konsequent die Entwicklung und Produktion von gesundheits- und umweltverträglichen Produkten voran, beispielsweise beim Thema Feuchtesperre«, betont Walter. »Hier möchten wir noch einen Schritt weitergehen und aktuelle gesellschaftliche Themen mit aufnehmen, mit denen sich immer mehr Handwerker und Endkunden auseinandersetzen.«
Ökologische Feuchtesperre mit dem »HydroBlock«-System
Feuchtigkeit ist eine große Herausforderung auf Baustellen. Durch immer dichtere und enger getaktete Zeitpläne sind Verarbeiter gefordert, die Untergrundprüfung sorgfältig durchzuführen. Ist die Restfeuchte des Zementestrichs zum Verlegen des Belags zu hoch, muss abgesperrt werden. »Da das Treibhausgaspotenzial generell bei Epoxy-Systemen höher als bei Pulversystemen ist und Transportgebinde nur mit hohem Aufwand recyclebar sind, bieten wir mit dem neuen ›HydroBlock‹-System eine vollwertige ökologische und verarbeitungsfreundliche Alternative zur konventionellen Feuchteabsperrung an«, so Walter.
Alle drei Bestandteile des Systems – zwei Spezialgrundierungen und eine feuchtebeständige Systemspachtelmasse – sind mit Emicode EC 1 plus und dem »Blauen Engel« gekennzeichnet und werden in umweltfreundlichen Verpackungen angeboten. Uzin bietet hiermit dem Handwerk eine weitere Lösung an, um am Markt seinen »grünen Fußabdruck« transparenter zu gestalten. Bereits bei der Produktion der emissionsarmen Produkte wird ein erheblicher Anteil an CO₂ reduziert.
»Diese CO₂-Einsparung möchten wir nun mit einem Online-Rechner auf unserer Homepage für die Kunden sichtbar machen und gleichzeitig dazu animieren, CO₂ zu reduzieren«, kündigt Walter an. Der Rechner geht ab der »Domotex« auf der Homepage von Uzin an den Start.
Campus 2020
Am 2. Oktober 2020 ist es wieder soweit. Nach dem großen Erfolg des ersten »Uzin Campus« 2018 wird es eine Neuauflage 2020 geben.
Die Idee, die dahinterstand, nah am Handwerk zu sein, Themen aufzugreifen, die das Handwerk bewegen, ist laut Uzin voll und ganz aufgegangen.
»Die Veranstaltung zeigte eine große Verbundenheit zu dem verarbeitenden Handwerk und auch den Dingen, die das Handwerk mit bewegt. Wir sehen, dass gerade in Zeiten des Fachkräftemangels Schulungen unabdinglich sind, besonders wegen der immer neuen Anforderungen, die es auf den Baustellen, im Renovierungsbereich sowie im Neubau gibt. Das Statement und auch das Feedback hat uns dazu bewogen, auch in 2020 wieder einen ›Uzin Campus‹ auszurichten«, erklärt Walter.
Die Konzeption und die Größenordnung werden beibehalten. Das Programm wird auch ab der »Domotex« verfügbar sein.
Sabine Langanke


