Uzin Utz: Optimistischer Blick nach vorn
Den hohen Energie-, Logistik- und Rohstoffpreisen zum Trotz ziehen die Ulmer eine positive Bilanz für das Jahr 2022 und äußern sich auch für die Zukunft weiterhin optimistisch. »Gemeinsam gestalten wir das Jahr 2023 positiv und setzen unser Wachstum fort«, schloss Vorstandsmitglied Philipp Utz seinen Vortrag auf der digitalen Pressekonferenz des Anbieters bauchemischer Systemprodukte im Januar.
Der Vergleich der Quartale 1 bis 3 der letzten beiden Jahre zeigt eine Umsatzsteigerung des international agierenden Unternehmens von 329,8 Mio. Euro in 2021 auf 370,5 Mio. Euro in 2022. Dies entspricht einem Plus von 12,3 Prozent bzw. einem Zuwachs um 40,7 Mio. Euro. Der EBIT sank derweil im gleichen Zeitraum von 39,3 auf 30,6 Mio. Euro (–22,2 Prozent). Die EBIT-Marge fiel von 11,9 auf 8,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte Uzin Utz ein starkes Umsatzwachstum vor allem in den USA von +36,7 Prozent auf 59 Mio. Euro und in der Schweiz von +13,2 Prozent auf 24 Mio. Euro verzeichnen. Mit einem Plus von 8,7 Prozent bzw. einem Umsatz von 156 Mio. Euro bleibt Deutschland weiterhin wichtiges Kernland.
Beeinflusst wurde die Ergebnisentwicklung vor allen Dingen durch die hohen Energie-, Logistik- und Rohstoffkosten. Trotz der unbeständigen wirtschaftlichen Lage investierte Uzin Utz im ersten Halbjahr 2022 20,9 Mio. Euro in die Weiterentwicklung des Unternehmens.
Auch sonst ließ man sich die Laune nicht verderben, schließlich gab es mit 111 Jahren eine Schnapszahl zu feiern! Begleitet wurde das Jubiläumsjahr von dem Launch der neuen Dachmarkenstrategie sowie der Umwandlung der Uzin Utz Aktiengesellschaft (AG) in eine Uzin Utz Societas Europaea (SE). Als Gründe für die europäische Rechtsform nannte Utz unter anderem die Betonung der Internationalität des Unternehmens sowie die Stärkung der Arbeitgebermarkenbildung. Gleichzeitig solle mit einem gewählten Mitarbeiterkomitee ein globaler Austausch stattfinden und die Bildung einer offenen und internationalen Unternehmenskultur gefördert werden.
Fokus auf Sanierung
Die Preisentwicklungen in der Bauindustrie werden nach wie vor geprägt vom Krieg in der Ukraine, von Inflation und Zinssteigerung sowie von einem verlangsamten Wirtschaftswachstum in China. Ab 2024 rechnet Philipp Utz jedoch mit einer gewissen Normalisierung. Für Deutschland etwa sei in den nächsten zwei Jahren eine durchschnittliche prozentuale Preisentwicklung zum Vorjahr von 3,5 Prozent anzunehmen. Zudem würden bis 2025 mit Ausnahme von Großbritannien Sanierungen in Europa weiter wachsen, während das Neubaugeschäft stagniere. »Da wir ein Unternehmen sind, das sich seit Jahrzehnten mit seinen Produkten und Servicedienstleistungen immer stärker auf die Sanierung fokussiert, blicken wir in 2023 auf eine positive Umsatz- und sicherlich auch auf eine sich verbessernde Ergebnisentwicklung«, erklärte Utz optimistisch. »Wir sind guter Dinge, dass wir das auf der ›BAU 2023‹ anhand neuer Produkte zeigen werden.«
Nachhaltigkeit in der DNA
»Das Thema Nachhaltigkeit ist schon seit Jahrzehnten in der DNA von Uzin Utz verankert«, so Utz und kündigte an, dass das Unternehmen im Rahmen der Strategie »Passion 2025« bis 2025 Vorreiter bei ressourcenschonenden Verlegesystemen und klimaoptimierter Produktion sein wird. Ziel von Uzin Utz ist es, in Scope 1 und 2 seine CO₂-Emissionen von 4700 Tonnen CO₂ (2019) um 25 Prozent auf 3500 Tonnen (2025) zu reduzieren. Erreichen werde man dies etwa durch die Verringerung bzw. Vermeidung des Einsatzes von gesundheitsgefährdenden und/oder klimaschädlichen Stoffen. Dazu wurde bereits in 2019 die CO₂-sparende Feuchtesperre »Uzin HydroBlock« gelauncht, die im Vergleich zum Epoxy-System 3,3 Tonnen CO₂-Äquivalente auf 1000 m² ausmacht. Zudem sollen der Produktlebenszyklus verlängert und Rohstoffe durch Kreislaufwirtschaft oder den weiteren Einsatz in neuen Produkten geschont werden. Zum Einsatz kommt hierfür seit 2021 das Biomassenbilanz-Verfahren bei den Dispersionsklebstoffen, die somit fossile Ressourcen schonen und gleichzeitig rund 3000 Tonnen CO₂-Äquivalente pro Jahr einsparen. Außerdem werden Parkettreste für die Herstellung neuer Produkte wie Holzfaserdämmungen, OSB-Platten und Holzpellets verwendet.
Alle Marken sind in München dabei
Steffen Kallus, Leiter des Geschäftsbereichs Uzin, sprach in seinem Vortrag über die Neuheiten der Marke. So wird Uzin auf der »BAU« ein CO₂-optimiertes Komplettsystem vorstellen, das aus Grundierung, Spachtelmasse und Klebstoff besteht und trotz CO₂-Einsparung keinerlei Veränderungen in den Verarbeitungseigenschaften aufweist. Als weiteres Messe-Highlight kündigte er verheißungsvoll ein neues, feuchtetolerantes System an, das »den Markt vielleicht noch mal zum Nachdenken« bringen werde. Bereits Anfang des Jahres wurde außerdem ein neues »Uzin Turbolight«-System auf Gipsbasis vorgestellt, das verbesserte Produkt- und Verarbeitungseigenschaften aufweist und darüber hinaus im Vergleich zu zementären Systemen 9 Tonnen CO₂ bei 1000 m² einspart. Neu ist auch die internationale Uzin-Kommunikationskampagne »Have Uzin this?«, die auf unterhaltsame Weise den Kundennutzen noch deutlicher in den Vordergrund stellen soll.
»Wenn es um das Thema Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit geht, dann haben wir bei Pallmann den großen Vorteil, dass wir es mit dem Naturmaterial Holz zu tun haben«, erklärte Klaus Stolzenberger, Markenverantwortlicher bei Pallmann, in seinem Beitrag. Weiter führte er aus, dass mit Pallmann-Produkten die Lebensdauer der per se schon nachhaltigen Bodenbeläge nochmals deutlich verlängert werden könnte – allen voran mit den erfolgreichen Parkettölen der »Magic Oil«-Familie (siehe hierzu auch den Beitrag im Sonderthema »Nachhaltiges Bauen und Sanieren« auf Seite 90).
Diese wird nun unter dem Motto »Magic Oil verändert alles« um ein weiteres »Magic Oil«-Produkt ergänzt. Stolzenberger: »Wir setzen 2023 ganz auf unsere lösemittelfreien ›Magic Oil‹-Produkte und werden auch mit dem neuen Produkt, das wir erstmals auf der ›BAU‹ zeigen werden, vieles verändern.«
Viele kleine Schritte
Weiter ging das Wort an Gerben Bouwmeester, Geschäftsführer der Uzin Utz Nederland, für die Marke »Arturo«. »Nachhaltigkeit liegt auch in unserer DNA«, stimmte er ein und verwies darauf, dass alle »Arturo«-Produkte lösemittelfrei sind und am Standort in Haaksbergen CO₂-neutral produziert werden.
Um die Reduktion von CO₂, den Einsatz von nachhaltigen Rohstoffen und die Entwicklung nachhaltiger Produkte in 2023 weiter voranzutreiben, setze der Hersteller für Kunstharz-Bodenbeschichtungen auf »viele kleine Schritte, die zu einem großen werden«. So verwendet »Arturo« seit kurzem vollständig Verpackungen aus PCR-Material und hat in diesem Jahr ein Projekt zur Rücknahme gebrauchter Verpackungen gestartet, um so bis 2025 mindestens 10 Prozent der Verpackungen wiederverwerten zu können. Zudem werden verstärkt neue, nachhaltige Produkte entwickelt und bereits bestehende Produkte aus alternativen Rohstoffen angepasst. Hier erforscht »Arturo« eine besonders emissionsarme Epoxid-Verlaufbeschichtung, eine Kratzspachtelung, die zu 35 bis 40 Prozent aus recycelten Rohstoffen besteht, sowie eine Polyurethan-Verlaufbeschichtung auf Basis von Biomaterialien. Zudem hat sich Uzin Utz Nederland für dieses Jahr zum Ziel gesetzt, mehr Produkte mit Qualitäts- und Nachhaltigkeitslabels im Sortiment zu führen.
Im Fokus stehen dabei Zertifizierungen nach AgBB-Schema und Emicode, Gebäudezertifizierungen wie BREEAM, LEED und DGNB sowie Zertifizierungen für eine konsequente Kreislaufwirtschaft. Auf der »BAU« wird »Arturo« den neuen »Arturo Microcement« präsentieren. Der mineralische Belag für Böden, Wände und Möbel ist mit dem Emicode »EC1 Plus« für besonders emissionsarme Produkte ausgezeichnet. Ebenfalls in München werden das AgBB-zertifizierte Bodensystem »Arturo Stark« und die von der Natur inspirierte »Arturo Color Collection 3.0« zu sehen sein.
Neues für den Außenbereich
Mario Meuler, Geschäftsführer »Codex«, stellte das neue Produktsortiment »Codex X-Terra« für den Außenbereich vor und versprach: »Bei ›Codex‹ gibt es in wenigen Wochen für den Außenbereich alles, was das Herz begehrt.« Die Outdoor-Linie besteht aus sechs ausgewählten Basisprodukten für die Bereiche Bauwerksabdichtung, Verlegemörtel, Fugenmörtel und Spezialbeton. Ebenfalls neu für den Außenbereich ist das leichtgängige Stelzlager-System »Balku-Lift« zur losen Verlegung von Keramik. Gezeigt werden die Produkte in einer Exponate-Schau in München. Nach Markteinführung der »Codex X-Board«-Bauplatten in 2022 stellt »Codex« außerdem pünktlich zur Messe die speziellen »X-Board«-Duschboards mit passenden Ablaufrinnen vor. Im eigens für die »BAU« konzipierten »X-Board«-Showroom können die Anwendungsmöglichkeiten live erlebt werden. Als »absolute Weltneuheit« kündigte Meuler schließlich den variablen 2-K-Dünnbettmörtel »Codex Power Xtra-Time« an, mit dem der Verleger die Länge des Verarbeitungsfensters ab sofort selbst bestimmen kann. Die Produktinnovation wird mit täglichen Live-Vorführungen auf der Messe vorgestellt.
Handwerker sind Macher
»›Pajarito‹ feiert 2023 sein 100-jähriges Jubiläum«, freute sich Jürgen Rehmann, Geschäftsführer Uzin Utz Tools für die Marken »Pajarito« und »Wolff«. »Hierzu sind viele Events und Aktionen geplant!« Im Vordergrund der Feierlichkeiten steht das Motto »Handwerker sind Macher«. Wie stark diese die Unternehmensgeschichte geprägt und die Entwicklung neuer Produkte beeinflusst haben, zeigt »Pajarito« begleitend in den sozialen Medien und auf der Kampagnen-Website. Gefeiert wird auch auf der »BAU« sowie auf dem Mitarbeiter-Event »We are family« am Standort Mettmann.
Pünktlich zur Messe werden außerdem mit einer neuen Außeneckenspachtel und dem Farbwalzensortiment zwei Eigenprodukte vorgestellt. Ebenfalls neu im Sortiment ist ab dem Frühjahr ein umweltfreundlicher Bautrockner.
Wie die Produkte für Boden, Wand und Decke richtig eingesetzt werden, lernen Handwerker in einer eigens für sie geschaffenen Schulungsakademie in Mettmann. Diese soll innerhalb des dritten Quartals eröffnet werden und dann für regelmäßige Schulungen zur Verfügung stehen.
Auch »Wolff« wird in München vertreten sein und dort ebenfalls zwei neue Produkte vorstellen. Gezeigt wird der Stripper »Independence« im Ride-on- und Walk-beside-Betrieb. Dieser mache »Fläche wie kein anderer«, so der Geschäftsführer stolz. Der rein elektrisch angetriebene Stripper eignet sich zur Entfernung aller textilen und elastischen Bodenbeläge sowie von Parkett, Fliesen und Sportbelägen.
Zudem stellt »Wolff« den ersten Abbruchhammer im Portfolio vor. Der »RamHammer« entfernt harte Bodenbeläge wie Fliesen mit einer Schlagzahl von 1300 bpm und einer Schlagenergie von 41 Joule.
Weiter informierte Rehmann darüber, dass 320000 Euro in die Hand genommen wurden, um die Photovoltaikanlagen in Ilsfeld aufzurüsten. Im Januar sind diese in Betrieb gegangen und liefern nun eine Gesamtkapazität von 330 kWh.
Sabine Langanke

