02.05.2017 | Fachthemen Seite 46-47 in Ausgabe 5/2017

Uzin: Was macht moderne Spachtelmassen aus?

Dr. Norbert Arnold, Leiter der Technischen Sortimentssteuerung bei UzinWohin der Trend bei Spachtelmassen geht, was eine gute Spachtelmasse ausmacht und woran der Verarbeiter solch eine erkennt, erläutert Dr. Norbert Arnold, Leiter der ­Technischen Sortimentssteuerung bei Uzin.

Wenn Untergründe keine ausreichende Ebenheit für die Bodenbelagsarbeiten aufweisen, müssen diese ausgeglichen werden. Für diesen Zweck wurden Spachtelmassen entwickelt. Je nach Anwendungsbereich weisen die Sortimente der Hersteller zahlreiche unterschiedliche Ausführungen auf. Zu Beginn dieses Jahres kamen außerdem zahlreiche neue Spachtelmassen auf den Markt – da ist es schwierig, den Überblick zu behalten. Wohin geht die Entwicklung bei selbstverlaufenden Bodenspachtelmassen? Was ist so besonders an der neuesten Generation Spachtelmassen? Antworten hierzu liefert Dr. Norbert Arnold, Leiter der Technischen Sortimentssteuerung bei Uzin.

Wie haben sich selbstverlaufende Bodenspachtelmassen in den letzten Jahren weiterentwickelt?
Bei den Basismaterialien der Spachtelmassen hat sich im Laufe der Jahr­zehnte nicht viel verändert: Die beiden klassischen Bindemittel – Zement und Gips – sind nach wie vor prägend. Die Entwicklung ging bei beiden Binde­mitteln im Laufe der Jahre hin zu optimierter Saugfähigkeit, besseren Verlaufseigenschaften und immer glatteren Oberflächen. Reaktionsharz- und dispersionsgebundene Spachtelmassen haben sich zusätzlich als problemlösende Nischenprodukte im Laufe der Zeit etabliert. Aufgrund ihres vergleichsweise hohen Preisniveaus werden sie allerdings auf Spezialanwendungen, wie kritische Untergründe, beschränkt bleiben.

Wohin geht der Trend bei der ­neuesten Generation Spachtelmassen?
Um seine Arbeitsabläufe möglichst ­rationell planen zu können, erwartet der Verarbeiter von qualitativ hochwertigen Produkten möglichst kon­stan­te Anwendungseigenschaften. Häufig finden sich auf den Baustellen auch Gegebenheiten, die nicht den Labor­bedingungen im Herstellerwerk entsprechen. Hier sind dann die Leistungsreserven der Produkte, zum Beispiel bei der Trocknungszeit, gefordert – ein Trend, der sich zukünftig ins­besondere bei den Premium-Spachtelmassen noch verstärken dürfte. Die stetige Produktverbesserung in diese Richtung ist daher ein permanentes Anliegen der Hersteller.

Was macht eine moderne, leistungsfähige Bodenspachtelmasse aus?
Zu den Hauptanforderungen des Ver­arbeiters an moderne Spachtelmassen lassen sich im Wesentlichen zwei Aspekte festhalten: Verlauf und Trocknungszeit. Da deren Optimierung gleichzeitig unerwünschte gegenläu­fige Eigenschaften mit sich bringen können, sind hier die Entwicklungs­abteilungen besonders gefordert. Der Verarbeiter schätzt zum einen die gute Verlaufseigenschaft und die dadurch bedingte glatte und porenfreie Oberfläche bei modernen Spachtelmassen, wünscht sich aber gleichzeitig eine hohe Saugfestigkeit und eine griffige Oberfläche, damit der aufgezogene Klebstoff rasch ablüften kann und sich gut mit der Oberfläche verbindet. Zum anderen spielt der Aspekt der Zeit eine wichtige Rolle für den Verarbeiter: ­Immer weniger Zeit bis zum Erreichen der Belegreife verkürzt dem Boden­leger unproduktive Phasen, gleichzeitig benötigt er aber eine möglichst lange offene Verarbeitungszeit, um das Produkt ohne unverhältnismäßige Eile auch auf größeren Flächen verarbeiten zu können.

Diese wünschenswerten Eigenschaften einer modernen Spachtelmasse stehen also teilweise im Widerspruch miteinander. Eine hochwertige Spach­tel­masse schafft es, hier einen für den Verleger vorteilhaften Kompromiss zwischen gegenläufigen Eigenschaften herzustellen und vereint sie in einem sinnvollen Premium-Produkt mitein­ander.

Woran erkennt der Verarbeiter eine gute Spachtelmasse?
Eigenschaftsentscheidende Bestandteile einer Spachtelmasse sind vor allem Art und Menge des Bindemittels bzw. der zugesetzten Additive. Pauschal lässt sich dabei sagen: Je mehr Bindemittel, desto höher die Festigkeit und je mehr hochwertige Additive beigefügt wurden, desto technisch ausgereifter ist die Spachtelmasse. Besonders über den ausgewogenen Zusatz von Additiven streben die Spachtelmassenhersteller einen optimalen Kompromiss bei den Anwendungs­eigenschaften an.

Woran erkennt man einen hohen Zusatz an Additiven?
Wenn ich eine mir unbekannte Spachtelmasse sehe und diese auf ihre Additivzusammensetzung beurteilen möchte, schaue ich als erstes auf das Brandverhalten. Da die Additive überwiegend organische Stoffe und daher brennbar sind, gibt das im CE-Block aufgeführte Brandverhalten einen ersten Hinweis auf einen hohen Additivanteil.

Das Brandverhalten von Bauprodukten wird nach der DIN EN 13501 klassifiziert. In der günstigsten Klasse A sind die nicht brennbaren Baustoffe zusammengefasst. Diese Klasse ist noch einmal unterteilt in A1 (nicht brennbare Stoffe ohne brennbare Bestandteile) und A2 (nicht brennbare Stoffe mit brennbaren Bestandteilen). Ist eine Spachtelmasse also als A2 klassifiziert, weist dies auf ­einen relativ hohen ­Anteil brennbarer Stoffe, sprich organischer Additive, hin.

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