VdL: Zwischen Tiefrot und Schwarz
Höchst unterschiedlich zeigen sich die Segmente der Farbenindustrie in 2020. Die Prognose für 2021 ist aufgrund der unklaren Corona-Lage weiterhin schwierig.
Extrem unterschiedliche Entwicklungen in den einzelnen Bereichen sorgten für stark schwankende Ergebnisse in der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie. Der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. (VdL) selbst bezeichnet die Ergebnisse als »zwischen Tiefrot und Schwarz«. Insgesamt stieg der Absatz in 2020 um 1,7 Prozent und der Umsatz ging um 0,9 Prozent zurück. Allerdings glich die Corona-Krise die Sonderkonjunktur im Bautenfarbengeschäft, bei Industrielacken und Druckfarben weitgehend aus.
Überblick über die Gesamtsituation
2020 wurden in Deutschland 1684000 Tonnen Lacke, Farben und Druckfarben verkauft – eine Zunahme von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Im laufenden Jahr wird sich die Sonderkonjunktur im Bautenfarbenmarkt voraussichtlich normalisieren, die Menge wird daher um annähernd 5 Prozent auf 1604000 Tonnen zurückgehen, berichtete Verbandspräsident Peter Jansen auf der virtuellen Jahreswirtschaftskonferenz des VdL.
Der Umsatz der in Deutschland verkauften Lacke, Farben und Druckfarben ging 2020 gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozent zurück und betrug 5,45 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr erwartet der VdL nur einen ganz leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf gut 5,48 Milliarden Euro.
Bautenanstrichmittel
Bei den Bautenfarben gab es eine Corona-Sonderkonjunktur im DIY-Segment, ausgelöst durch Kurzarbeit und die Fokussierung auf das eigene Heim als Alternative für Reisen, Sport und Ausgehen. Der Profibereich konnte hingegen nur leicht zulegen – denn teilweise gab es bei den Malern Kapazitätsengpässe.
Für 2021 prognostiziert der VdL in der Menge einen Rückgang vom hohen 2020er Niveau um 11 Prozent auf 846000 Tonnen. Damit liegt die Menge noch leicht über der des Jahres 2019 vor der Krise. Der Umsatz wird um 10 Prozent auf 1,78 Milliarden Euro zurückgehen.
Industrielacke
Bei den Industrielacken kam es zu besonders starken Rückgängen, da die Produktion im verarbeitenden Gewerbe aufgrund des Frühjahr-Lockdowns teilweise stark eingeschränkt oder gar gestoppt wurde. Insgesamt betrug der Rückgang in der Menge 11 Prozent, im Wert 10 Prozent.
Mit Abstand am stärksten brachen die Autoserienlacke ein, dies resultierte unter anderem aus der hohen Exportquote des Sektors. Weniger dramatisch hat sich der Absatz in den Bereichen Möbel/Holz (–4 Prozent) und Autoreparatur (–7 Prozent) verringert.
2021 wird es wieder zu einem deutlichen Anstieg von mehr als 6 Prozent bei den Industrielacken kommen, insbesondere im Bereich Autoserienlacke (OEM). Der Umsatz der Industrielacke insgesamt wird im laufenden Jahr mit 9 Prozent wieder kräftig auf 2,9 Milliarden Euro ansteigen.
Druckfarben
Der Absatz von Druckfarben ist 2020 regelrecht eingebrochen – es wurden mit 244000 Tonnen 9 Prozent weniger verbraucht. Besonders stark schrumpften die Druckfarben für Publikationen, aber auch der Verpackungsdruck war leicht rückläufig. Für 2021 erwartet der VdL noch ein Minus von 2 Prozent in der Menge und –1 Prozent im Wert.
Import/Export
Der Export ging 2020 um 3,9 Prozent auf 3,416 Milliarden Euro zurück. Importiert wurde für 1,1 Milliarden Euro (–3,7 Prozent). 2021 wird sich der Außenhandel wieder erholen und voraussichtlich um rund 2 Prozent steigen.
Gesamtprognose für 2021
Der VdL erwartet für 2021 eine deutliche Erholung in den industrienahen Sektoren. Dies wird in der Menge jedoch von den Rückgängen der auslaufenden Sonderkonjunktur bei den Bautenfarben und den weiterhin rückläufigen Druckfarben überkompensiert. Die Umsätze mit Lacken, Farben und Druckfarben werden aufgrund der Zunahme höherwertiger Industrielacke jedoch ganz leicht steigen können.
In den vergangenen Monaten haben sich die Preise für Rohstoffe stark erhöht. Zum Teil kam es auch zu Versorgungsengpässen wegen mangelnder Verfügbarkeit der Rohstoffe. Die positiven Erwartungen der Unternehmen führten zu einer lebhaften Nachfrage. Zusätzlich entstanden noch Engpässe bei den Transportkapazitäten.
»Die Branche hat in schwierigen Zeiten ihre Anpassungsfähigkeit unter Beweis gestellt. Die Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind oft an Leistungsgrenzen gestoßen und haben vielfach eine hervorragende Arbeit geleistet«, kommentierte VdL-Präsident Peter Jansen die aktuellen Zahlen.

