01.05.2016 | Verbände / Institute / Organisationen Seite 68-69 in Ausgabe 5/2016

vdp: »Parkett ist eine sehr lukrative Investitions­anlage«

Michael Schmid, Geschäftsführer der Parkettfabrik Jakob Schmid Söhne (»Jaso«) und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie (vdp) beantwortet fünf Fragen zum Thema Parkett.

Anlässlich des Sonderthemas »Was der Parkettleger braucht« sprach OBJEKT mit Michael Schmid. Der vdp-Vorsitzende gab Einblicke in den Markt und in die Verbandsarbeit.

Redaktion: Herr Schmid, wie entwickelt sich derzeit der deutsche Parkett-Markt? Vor welchen Herausforde­run­gen steht die Branche?

Michael Schmid, Geschäftsführer der ­Parkettfabrik Jakob Schmid Söhne (»Jaso«) und Vorsitzender des Verbandes der Deutschen Parkettindustrie (vdp)Michael Schmid: Der Markt scheint weiterhin durchwachsen zu sein. Jedoch verstärkt sich im Moment ein ganz klarer Trend. Im Privatbereich scheint der allseits beliebte »Designbelag« sehr stark zu sein. War dieser Belag ursprünglich maßgeblich in Objekten zu finden, erobert er heute doch mehr und mehr das heimische Wohnzimmer. Darauf haben sich die Verarbeiter eingeschossen. Doch im Umkehrschluss ist Parkett momentan derart günstig, dass es gerade für den Objektbereich, sprich in den Wohn­immobilien, einen wahren Run auf ­unsere Produkte gibt. So haben Immo­bi­lien­­eigentümer, Architekten und Planer ganz einfach erkannt, dass sich Parkett in Mietimmobilien innerhalb von fünf bis zehn Jahren amortisiert und dann sogar für den Eigentümer mehr »Geld verdient« als es Zinsen auf der Bank gibt! Von daher ist Parkett eine sehr lukrative Investitionsanlage geworden.

Redaktion: Welchen Trends folgen aktuell Parkettböden – und welche Designs, Farben und Formate stechen ­dabei heraus?

Schmid: Weiterhin bleibt die Eiche als Holzart im Trend, auch die Landhausdiele bleibt auf kleinem, aber stabilem Wachstumskurs. Interessant ist der Trend weg vom Schiffsboden hin zu Musterböden. Es wäre sicherlich eine Unterstreichung des Wissens und ­Könnens der Handwerker, wenn hier mehr Quadratmeter verkauft werden würden.
Redaktion: Warum erfreut sich aktuell Fischgrat besonderer Beliebtheit?

Schmid: Der klassische Fischgrat wie auch der französische/ungarische Fisch­grat werden mehr und mehr verlegt. Hier kann sich zum einen der Handwerker wieder klar profilieren und zum anderen geht man endlich weg vom »langweiligen« Schiffsboden. Grundsätzlich wird die Wertigkeit der Handwerksarbeit wieder durch solche Böden unterstrichen und hervorge­hoben.

Redaktion: In Sachen Nachwuchs und Parkettleger: Gibt es hier ein Folge­problem – oder wie schätzen Sie die aktuelle Situation des Handwerks in puncto Parkett ein?

Schmid: Nachwuchsmangel im Handwerk gibt es mehr und mehr. Egal ob
es bei den Parkett- und Bodenlegern oder in anderen Handwerksberufen ist. Durch die Schulreformen streben grundsätzlich mehr und mehr Schüler die sogenannten »white-scholar«-Berufe an und es zieht weniger Schüler in die Handwerkslaufbahnen. Eine Entwicklung, die schade ist, aber der man im starken demografischen Wandel auch schlecht entgegenwirken kann. Vielleicht kann hier das Handwerk nochmals mehr Werbung für seinen eigenen Stand machen, denn als gutem Handwerker lässt sich im Moment besser Geld verdienen anstatt in einem konzerngeführten Unternehmen.

Redaktion: Was ist auf Verbandsseite noch für dieses Jahr geplant?

Schmid: Wir haben jüngst auf unserer Mitgliederversammlung einige Punkte beschlossen, um die Vermarktung von Parkett zu intensivieren. Hierzu brauchen wir die Hilfe weiterer Markt­akteure, wie Zulieferer der Parkett­verarbeiter (zum Beispiel Lacke, ­Kleb­stoffe, Maschinen…) und sogar ­an­derer europäischer Parketthersteller. Wenn wir es schaffen, gemeinsam den Kuchen zu vergrößern, ist allen geholfen. Schließlich haben wir ein tolles Produkt, das den Grundbedürfnissen nach Umweltschutz, Wohngesundheit und Wirtschaftlichkeit voll entspricht! Nur im Marketing müssen wir dafür noch mehr machen.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Thomas Ottaviano

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