ViS: »Heimtextil« und »R+T« hinterließen guten Eindruck
Wie sind die Sonnenschutzproduzenten ins Jahr gestartet und wie war es in Frankfurt und Stuttgart?
Für die Hersteller von Sonnenschutz schien sozusagen gleich zweimal in diesem Jahr die Sonne mit den Leitmessen »Heimtexil« und »R+T«. Welche Eindrücke diese hinterließen und wie es derzeit um die Stimmung bestellt ist, wollte OBJEKT von ViS-(Verband innenliegender Sicht- und Sonnenschutz-)Geschäftsführer Martin Auerbach wissen.
Redaktion: In diesem Jahr fand die »R+T« statt – nahm die Messe Einfluss auf die bereits zu Jahresbeginn stattgefundene »Heimtextil« in puncto Ausstellerpräsenz und Produktangebot?
Martin Auerbach: Die »R+T« ist eine internationale Spezialmesse, die auch für die Hersteller von innenliegendem Sicht- und Sonnenschutz sowie Zulieferunternehmen große Bedeutung hat. 26 unserer Mitglieder waren in Stuttgart vertreten und zeigten sich durchweg zufrieden. Tatsächlich gab es einige Unternehmen aus dem Zulieferbereich, die in diesem Jahr der »R+T« den Vorzug vor der »Heimtextil« gegeben haben, um dort Konfektionäre auf internationaler Ebene zu treffen. Im Übrigen liegt in Stuttgart der Fokus auf der Gebäudegestaltung und mithin bei Architekten, die die Aussteller erreichen möchten. Im Gegensatz zum Jahresrhythmus der »Heimtextil« findet die »R+T« aktuell nur alle drei Jahre statt. Damit ist die »Heimtextil« unter anderem für das Thema Trends bestens positioniert.
Redaktion: Wie ist die »Heimtextil« für den Bereich Sonnenschutz gelaufen, und welche Eindrücke hinterließ die »R+T«?
Auerbach: Mit der neuen Aufplanung der Halle 5.1 »Sun« hat die Messe das zentral angelegte Areal »Trendspot« geschaffen. Die vorhandenen Sitzmöglichkeiten wurden so intensiv zu Besprechungen oder zum Ausruhen und Verweilen genutzt, dass einige Aussteller anregten, diese Fläche zugunsten von noch mehr »zentraler Kommunikation« auszubauen. Insgesamt zeigten sich die Aussteller mit dem neuen Konzept sehr zufrieden, denn es leitete die Besucherströme optimal zu den Ständen.
Die »R+T« hinterließ ebenfalls einen guten Eindruck. Insbesondere die Vortragsveranstaltungen für Architekten und Innenarchitekten sorgten dafür, dass diese wichtige Zielgruppe der Aussteller in einem zufriedenstellenden Umfang vertreten war.
Redaktion: Wie ist die Stimmung in der Branche?
Auerbach: Mit unserer Umfrage unter den Mitgliedern für unsere Jahrestagung im November 2014 hatten wir die Erwartungen der Unternehmen für das Geschäftsjahr 2015 abgefragt. Danach rechneten die Unternehmen mit einer Umsatzstabilität bzw. einem leichten Umsatzrückgang. Stellt man nur auf den Jahresbeginn ab, scheinen nach verschiedenen Aussagen die Prognosen eher zu pessimistisch gewesen zu sein. Wie sich das Jahr nun aber tatsächlich entwickelt, können wir in diesem frühen Stadium nicht sagen.
Redaktion: Wie ist das letzte Jahr insgesamt für die Branche gelaufen? Und wie ist es um die Sortimente bzw. einzelnen Produktgattungen bestellt: welche sind »top«, welche bereiten eher Sorgen?
Auerbach: Die Hersteller von innenliegendem Sicht- und Sonnenschutz verzeichneten im 1. Halbjahr 2014 in den Produktgruppen Rollo, Plissee sowie Vertikal- und Horizontallamellen prozentual einstellige Umsatzzuwächse. Ein deutlicher Rückgang bei Flächenvorhängen gegenüber dem Vorjahr von rund –13 Prozent dürfte sich aus dem Trend ergeben, dass Flächenvorhänge vermehrt von Handel und Handwerk konfektioniert werden und es unter dem Strich wohl keinen so deutlichen Nachfragerückgang gibt, wie es die Zahl vermuten lässt. Die Zahlen für das 2. Halbjahr sind noch nicht abschließend ausgewertet.
Redaktion: Welche (funktionellen) Themenschwerpunkte dominieren derzeit die Produktentwicklung?
Auerbach: Das Thema Kindersicherheit ist nach wie vor präsent, wobei aus unserer Sicht die Fakten und Rahmenbedingungen im Hinblick auf die DIN EN 13 120 und der Umgang mit den Anforderungen klar sind. Jetzt liegt der Schwerpunkt unserer Arbeit in der Kommunikation der Ergebnisse. Dazu haben wir zum Beispiel auf den Messen »Heimtextil« und »R+T« entsprechende Vorträge für das Fachpublikum gehalten. Selbstverständlich spielt auch das Thema Energieeffizienz eine Rolle. Hierzu hat ein bedeutender Branchenteilnehmer bereits im vergangenen Jahr ein gefördertes Forschungsprojekt angestoßen, das wir ebenfalls unterstützen.
Redaktion: Was können Sie über die Verbandsarbeit sagen, was steht an?
Auerbach: Auf unserer letzten Jahrestagung haben wir den Mitgliedern ein neues Konzept für die Projektarbeit vorgestellt, das wir nun mit unserem »Statistik-Projekt« umsetzen werden. Die Mitglieder wurden bereits zur Mitarbeit aufgefordert. Koordiniert und fachlich begleitet wird das Projekt von der Geschäftsstelle; das ist neu und eines von vielen Beispielen, wie die Professionalisierung des ViS durch die Zusammenarbeit mit dem Heimtex-Verband in der Praxis aussieht. Konkret gibt es Interesse an einem Ausbau der ViS-Statistik. Wir werden nun erarbeiten, was wir wie umsetzen können.
Redaktion: Ist ein Standort-Umzug nach Berlin für den ViS ein ebenso viel diskutiertes wie beim Heimtex-Verband? (Anm. d. Red.: gemeint ist die mit dem Verband der Deutschen Heimtextilien-Industrie »Heimtex« geteilte Geschäftsstelle in Wuppertal, woraus nicht nur eine enge Kooperation entstanden ist, sondern auch ein enormes Vorteilspaket für den ViS und seine Mitglieder)
Auerbach: Für den ViS ist der Sitz des Heimtex-Verbandes zweitrangig. Im Vordergrund steht die professionelle Führung der Geschäftsstelle, und hier ist der ViS-Vorstand äußerst zufrieden.
Redaktion: Sollte sich ein Umzug nach Berlin für Heimtex ergeben, hängt dann die Geschäftsstelle des ViS automatisch dran?
Auerbach: Da der ViS selbst kein eigenes Personal hat, »hängt« er tatsächlich am Heimtex-Verband. Es kommt aber auch auf die konkrete Entwicklungen beim »Partner« Heimtex an, und hier gilt es vor dem Hintergrund der dortigen aktuellen Geschehnisse erst einmal abzuwarten, wie sich die Dinge entwickeln.
Redaktion: Danke für das Gespräch!
Die Fragen stellte Thomas Ottaviano

