ViS: Jahrestagung 2025 setzt Impulse für die Branche
Die diesjährige Jahrestagung des Verbandes innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) fand in der Fahrradmetropole Münster statt – einem Ort, der wie kaum ein anderer für Nachhaltigkeit, Bewegung und Lebensqualität steht. Inmitten historischer Kulissen und moderner Impulse trafen sich Vertreter der Branche, um gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln.
Bereits am Vortag der Jahrestagung kamen die Vorstände des ViS mit Geschäftsführer Martin Auerbach zu einer Sitzung zusammen. Der aktuelle Vorstand besteht aus Ingo Fahl (ifasol), Andreas Kopetschny (MHZ Hachtel), Heiko Ziffer (Teba) und Ulf Kattelmann (Kadeco). Am Abend folgte ein geselliges Get-together im Hotel Atlantic, das nach Stadtspaziergängen durch Münster von Ingo Fahl eröffnet wurde.
Die Mitgliederversammlung am Folgetag bot einen Rückblick auf die Verbandsarbeit und einen Ausblick auf kommende Herausforderungen.
Wissenstransfer und Wertschätzung
Ein zentrales Highlight der ViS-Jahrestagung 2025 war die Vorstellung des überarbeiteten Fachbuchs »Sicht- und Sonnenschutz: Verbindung von Design und Funktion«. Ursprünglich 2009 erschienen, wurde das Werk von einer Projektgruppe unter Leitung von Gerhard Sperling grundlegend aktualisiert. Die neue Ausgabe berücksichtigt aktuelle technische Standards und Entwicklungen und soll künftig als Standardwerk in der Ausbildung von Fachkräften dienen – von der Planung über die Fertigung bis hin zur Montage und Instandhaltung.
Eine besondere Anerkennung erhielt Wilhelm Hachtel, der über 33 Jahre als Geschäftsführer von MHZ Hachtel tätig war und sich über ein Jahrzehnt im ViS-Vorstand engagierte. Auch nach seinem Rückzug aus dem operativen Geschäft blieb er als Berater aktiv und brachte seine Expertise in europäische Gremien wie die European Solar Shading Organisation (ES-SO) sowie in die Repräsentanz Transparente Gebäudehülle (RTG) ein. Für sein außerordentliches Engagement wurde Wilhelm Hachtel zum Ehrenmitglied des ViS ernannt – eine Auszeichnung, die seine Rolle als Brückenbauer zwischen nationaler und europäischer Verbandspolitik würdigt.
Forschung trifft Praxis
Prof. Dr. phil. Jacqueline Lemm, Institutsleiterin und Geschäftsführerin des TFI – Institut für Boden- und Raumsysteme – in Aachen, stellte die Ergebnisse des IGF-Forschungsprojekts »Akustische Garne – Analyse von Einflussfaktoren auf die Entwicklung akustisch wirksamer Garne für Textilstrukturen« vor. Ziel war die Entwicklung neuartiger Kombinationsgarne, die die schalldämpfende Wirkung textiler Elemente wie Vorhänge oder Wandbespannungen gezielt verbessern. Die Forschung zeigt, wie stark Garnstruktur und Materialität die Raumakustik beeinflussen – ein Thema mit wachsender Relevanz für moderne Arbeitswelten.
Die Abschluss-Keynote von Prof. Dr. Jan-Philipp Büchler von der FH Dortmund setzte einen inspirierenden Schlusspunkt. Unter dem Titel »Wachsen wie die Hidden Champions« zeigte er praxisnahe Wege auf, wie mittelständische Unternehmen durch Technologie-Transfers neue Umsatzfelder erschließen und ihre Innovationskraft stärken können. Sein Appell: Mut zur Veränderung und strategische Offenheit sind entscheidend für nachhaltigen Erfolg.
Wirtschaftliche Lage: Zwischen Hoffnung und Herausforderung
Die wirtschaftliche Gesamtlage bleibt angespannt. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat erste Maßnahmen wie Investitionsprogramme und steuerliche Entlastungen angestoßen, doch zentrale Reformen – etwa zur Bürokratieentlastung – lassen auf sich warten. Laut ifo-Panel im August bewerten 42 Prozent der Ökonomen die ersten 100 Tage der Regierung negativ oder sehr negativ. Für die Sicht- und Sonnenschutzbranche bedeutet das: Unsicherheit bei Exporten, Investitionen und Planung. Besonders KMU benötigen stabile Rahmenbedingungen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
Marktlage: stagnierende Umsätze
Die Umsätze beim maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz haben sich im 1. Halbjahr 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum leicht erholt, wobei es vor allem auf die Rollos zurückzuführen ist, dass sich das Gesamtergebnis ganz knapp wieder ins Plus verschoben hat (+4,0 Prozent). Beim Absatz hingegen hat sich das Gesamtergebnis mit –2,1 Prozent nochmals verschlechtert. Die stärksten Umsatzverluste sind bei den Doppelrollos zu verbuchen (–14 Prozent), mit korrespondierenden Rückgängen beim Absatz (–12 Prozent). Plissees als nach wie vor größte Warengruppe beim Umsatz (Marktanteile) konnten sich im Vergleich zu den schlechteren Ergebnissen des letzten Jahres zwar leicht verbessern, liegen mit –1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aber immer noch im Minus-Bereich. Bei den Absätzen ist das Minus sogar noch größer (–4,0 Prozent).
Bei den Marktanteilen der Produktgruppen in der Maßkonfektion gibt es wie schon im Vorjahr keine großen Verschiebungen. Anders als im Vorjahr hat sich die Position der Plissees als umsatzstärkste Fraktion wieder leicht reduziert (–2,6 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Ein leichtes Plus ist bei den Wabenplissees zu verzeichnen (+0,5 Prozentpunkte gegenüber 2024). Der Insektenschutz hat weitere 3,2 Prozentpunkte zugelegt und festigt so seine Position als zweitgrößtes Marktsegment nach den (Waben-)Plissees, gefolgt von Rollos, deren Umsatzanteile mit 12,4 Prozent stabil sind.
Konjunkturumfrage
An der Mitgliederbefragung zur wirtschaftlichen Situation haben sich diesmal 37 Unternehmen beteiligt, darunter 19 Hersteller und 18 Zulieferer.
Verhaltener Optimismus und Investitionszurückhaltung
Die ViS-Konjunkturumfrage vom Juli 2025 zeigt eine positive Trendwende: Fast 70 Prozent der Unternehmen bewerten die Umsatzperspektiven für das zweite Halbjahr als »gut« oder »eher gut«. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.
Bei den Investitionen zeigt sich jedoch Zurückhaltung: Nur 46 Prozent der Unternehmen wollen geplante Investitionen wie vorgesehen umsetzen, 51 Prozent agieren vorsichtig und 3 Prozent setzen Investitionen ganz aus.
Beschäftigung und Export: Stabilisierung mit Potenzial
Die Beschäftigungsperspektiven haben sich ebenfalls verbessert: 67,6 Prozent der Unternehmen erwarten eine stabile oder positive Entwicklung. Auch der Exportanteil ist gestiegen – 27 Prozent der Unternehmen erzielen mittlerweile über die Hälfte ihres Umsatzes im Ausland.
Diese Entwicklung zeigt, dass die Branche trotz Herausforderungen international wettbewerbsfähig bleibt und sich zunehmend global positioniert.
Politische Forderungen: Bürokratieabbau und Investitionsanreize
Die größten Herausforderungen bleiben die Kaufzurückhaltung (27,8 Prozent), Preissteigerungen (24,7 Prozent) und Bürokratie (21,6 Prozent). Die Unternehmen fordern gezielte politische Maßnahmen: Bürokratieabbau, Stärkung der Kaufkraft, Investitionen in den Wohnungsbau und bessere Rahmenbedingungen für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Die nächste Jahrestagung des ViS findet am 24. und 25. September 2026 statt. Der Veranstaltungsort wird rechtzeitig bekanntgegeben.
Sabine Langanke




