ViS: Jahrestagung in Dortmund – ViS goes Fußball
Am 26. und 27. September trafen sich rund 100 Teilnehmer zur Jahrestagung des Verbandes innenliegender Sicht- und Sonnenschutz (ViS) in Dortmund. Im Mittelpunkt standen dabei der Bericht über die Verbandsarbeit des zurückliegenden Jahres und die strategische Ausrichtung für das kommende. Darüber hinaus erhielten die Mitglieder wertvollen Input zu aktuellen Themen, darunter das Sorgfaltspflichtengesetz, die Lieferketten- sowie die Ökodesign-Verordnung.
Zum Auftakt begrüßte Ingo Fahl, Vorstandsvorsitzender des ViS, Mitglieder und Gäste – und hieß zugleich die beiden neuen ViS-Mitglieder Alumar, vertreten durch Robin Titzkus, und Anwis, vertreten durch Anna Klodawska, im Verband herzlich willkommen. Durch das Programm führte ViS-Geschäftsführer Martin Auerbach und berichtete über die wirtschaftliche Lage der Branche sowie die aktuelle Projektarbeit des ViS.
Schlusspunkt der Tagung bildete die Keynote von Dr. Eldar Sultanow. Der KI-Experte hielt ein Plädoyer für künstliche Intelligenz und zeigte auf, wie es gelingt, die Welt damit zu einem besseren Ort zu machen. Am Abend besichtigten die Gäste das Deutsche Fußballmuseum. Dort fand anschließend auch das Get-together der Teilnehmer in ausgelassener Stimmung statt.
Immer noch kein »Back to Normal«
Laut Auerbach dauert die Ausnahme-situation an: Seit der Corona-Pandemie stehen gerade KMU vor einer nicht enden wollenden Abfolge von Krisen. Auf die Belastungen durch Pandemie, Energiekrise und steigende Rohstoffkosten folgten seit 2022 Inflation und steigende Finanzierungskosten. Für das produzierende Gewerbe bedeute dies nicht nur steigende Produktionskosten, sondern auch die zunehmende Zurückhaltung der Verbraucher – und somit einen Absatzrückgang für die Unternehmen.
Ein weiteres, strukturelles Problem sei der Fachkräftemangel, der sich seit der Pandemie verschärft hat. Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gaben 2023 fast 50 Prozent der Unternehmen an, dass der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften ein großes Problem darstellt. Dieser Engpass hemme nicht nur das Wachstum, sondern bremse auch dringend notwendige Innovationsprojekte, wie die Umstellung auf nachhaltige Produktionsprozesse oder die Einführung digitaler Technologien.
Nicht zuletzt drohe laut Auerbach auch das Zukunftsprojekt »Kreislaufwirtschaft und Klimaziele« durch die anhaltenden Krisen ins Stocken zu geraten. Die Europäische Union und die deutsche Bundesregierung stecken auf der einen Seite ehrgeizige Klimaziele und erwarten von den Unternehmen, ihre CO₂-Bilanz zu verbessern und nachhaltiger zu wirtschaften. Auf der anderen Seite scheinen politische Maßnahmen zur Umsetzung der Transformation nur im Schneckentempo voranzugehen. Laut einer Umfrage der KfW-Bankengruppe von 2023 geben viele KMU an, dass sie aufgrund der wirtschaftlichen Unsicherheiten derzeit nicht in der Lage sind, in die notwendige Umstellung zu investieren. Bei rund 44 Prozent der befragten Unternehmen mindert die ungewisse wirtschaftliche Lage ihre Investitionsbereitschaft in nachhaltige Technologien deutlich. Was dringend gebraucht würde, sind deshalb zum einen klare Verhältnisse für Planungs- und Investitionssicherheit und zum anderen auch entsprechende Finanzierungshilfen für den geforderten Umbau. Anders werde die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Unternehmen nicht zu sichern sein.
Ein »Back to Normal« sei definitiv noch immer nicht zu verzeichnen. »Vielmehr befinden wir uns in einer andauernden Phase des ›neuen Normal‹, in der sich auch die Mitgliedsunternehmen des ViS von einer Krise zur nächsten hangeln und den immer neuen Herausforderungen stellen müssen«, so Auerbach.
Stabiles Umsatzergebnis ist trügerisch
Das Umsatzergebnis für den maßgefertigten innenliegenden Sicht- und Sonnenschutz ist im ersten Halbjahr 2024 gegenüber dem Vorjahreszeitraum unverändert geblieben, was jedoch maßgeblich dem deutlichen Umsatzplus um rund ein Viertel beim Insektenschutz zu verdanken ist. Dagegen verbucht der Objektbereich vor allem bei den Flächenvorhängen massive Einbrüche (–43,9 Prozent). Auch die dominierende Produktgruppe der Plissees verzeichnet rückläufige Umsätze (–5,6 Prozent), während Wabenplissees ein Umsatzplus von 2,9 Prozent erzielen (siehe auch Beitrag auf Seite 17 in dieser Ausgabe).
Bei den Marktanteilen der Produktgruppen in der Maßkonfektion gibt es wie schon im Vorjahr keine großen Verschiebungen. Die Plissees haben ihre Position als umsatzstärkste Fraktion leicht ausgebaut (+2,7 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr). Auch der Insektenschutz hat mit einem Plus von 1,5 Prozentpunkten seine Position gefestigt und bildet damit das zweitgrößte Marktsegment nach den (Waben-)Plissees, gefolgt von Rollos, die bei den Umsatzanteilen jedoch gegenüber 2023 gut 2 Prozentpunkte verloren haben.
ViS-Konjunkturumfrage Juli 2024
An der Umfrage nahmen insgesamt 41 Unternehmen teil, darunter 24 Hersteller und 17 Zulieferer. Hinsichtlich der gedämpften konjunkturellen Lage beurteilt gut die Hälfte der Befragten auch die Umsatzaussichten für das zweite Halbjahr 2024 als eher schlecht (51,2 Prozent). Immerhin 46,3 Prozent der Umfrageteilnehmer sind optimistischer und bewerten die Aussichten als eher gut oder gut. Als schlecht schätzen nur 2,4 Prozent die Perspektiven für das zweite Halbjahr 2024 ein.
Die Tatsache, dass 59 Prozent der Umfrageteilnehmer angeben, Investitionen im laufenden Geschäftsjahr wie geplant umsetzen zu wollen, ist zunächst erfreulich. Doch 29 Prozent wollen ihre Investitionen zumindest eher vorsichtig angehen und immer noch 12 Prozent beabsichtigen, geplante Investitionen zurückzustellen. Das belegt die zuvor beschriebene angespannte Lage und die hohe Verunsicherung, die bei vielen Unternehmen vorherrscht.
Der Blick auf die Beschäftigtenzahl der teilnehmenden Unternehmen zeigt, dass kleine und mittlere Unternehmen das Gros der ViS-Mitglieder ausmachen. Gemessen an diesem Wert finden sich demnach im ViS 7 Prozent Kleinstunternehmen, 44 Prozent kleine und 27 Prozent mittlere Unternehmen (definitionsgemäß ist für diese Einteilung allerdings neben der Zahl der Beschäftigten auch der Umsatz maßgeblich).
In Bezug auf die Beschäftigungslage schätzt die Mehrheit der Befragten die Perspektiven für das zweite im Vergleich zum ersten Halbjahr 2024 eher schlecht ein. Aus dem Befragungskonzept geht jedoch nicht hervor, ob die Unternehmen hierbei an einen drohenden Stellenabbau aufgrund der schlechten Wirtschaftslage oder aber im Gegenteil an Personalmangel aufgrund des Fachkräftemangels denken.
Bei der Frage nach den aktuell größten Herausforderungen für die befragten Unternehmen lag die Kaufzurückhaltung der Konsumenten mit 32 Prozent der Nennungen vorne, gefolgt von Preissteigerungen (23,3 Prozent) und dem Arbeitskräftemangel (21,4 Prozent).
Die nächste ViS-Jahrestagung findet am 25. und 26. September 2025 statt. Der Ort wird rechtzeitig bekanntgegeben.

