02.04.2023 | Allgemein Seite 42-43 in Ausgabe 3/2023

Vorwerk flooring / Hamelner Teppichwerke: »Aus Raider wird jetzt Twix...«

»Wir sind auf einem sehr guten Weg! An alle, die denken, ›Vorwerk‹ wäre tot: Wir sind lebendiger als den anderen lieb sein wird…«, verkündet Dirk Cyrener, Verkaufsleiter B2B bei Vorwerk flooring, mit einem Augenzwinkern. Wie er zu der optimistischen Einschätzung kommt, welche Schritte des Weges bereits beschritten wurden und welche noch zu gehen sind, erzählen er und seine Kollegen Martin Multhaupt, Geschäftsführender Gesellschafter, und Mirja Toros, Verkaufsleiterin Deutschland B2C, bei einem Gespräch in der Redaktion OBJEKT.

Bereits im September 2020 hatte das Management-Team der Vorwerk Teppichwerke die etwas stiefkindlich behandelte Teppichsparte vom Mutterkonzern Vorwerk übernommen (siehe OBJEKT 9-10/2020). »Wenn ein Unternehmensteil verkauft wird, dann ist klar, dass dieser Unternehmensteil nicht unter dem gleichen Namen weiterlaufen kann«, erklärt Multhaupt. Vorwerk sei jedoch nicht weg, nur die Firmierung habe sich geändert. So war es von vornherein Teil der Vereinbarung, dass der Name Vorwerk Teppichwerke nach eineinhalb Jahren geändert werden muss. Anfang 2022 war es schließlich soweit und man entschied sich – einfach und nahe­liegend – entsprechend des Produktionsstandortes für die neue Firmierung Hamelner Teppichwerke.
Um den Bezug zur lizensierten Marke herzustellen, finden die Geschäfts­tätig­keiten nach wie vor unter »Vorwerk flooring« statt; dies soll jedoch offiziell zum 1. Januar 2024 ebenfalls angepasst werden. Ab diesem Tag werden die Hamelner voraussichtlich ihr neues Corporate Design in den Markt einführen, bei dem das Thema »Vorwerk« sukzessive in den Hintergrund tritt. »Das ist wie bei dem Spruch ›Aus Raider wird jetzt Twix…‹«, so der Geschäftsführende Gesellschafter weiter, »auf sämtlichen Dokumenten und Präsen­tatio­nen wird oben dann das neue Logo der Hamelner Teppichwerke stehen mit dem Verweis auf die beiden fokussierten Marken ›Vorwerk‹ und ›Nordpfeil‹.«
»…sonst ändert sich nix«: So wird die Vorwerk-Gruppe die Hamelner Teppichwerke bei der Weiterführung der Geschäfte auch in den kommenden Jahren weiter unterstützen. Dies umfasst ebenso die Lizenzierung der ­Marke »Vorwerk«, die aktuell auf zehn Jahre ausgelegt ist. Wenn im Sommer 140 Jahre Vorwerk Teppichwerke in Hameln gefeiert wird, werden neben Gästen aus Industrie und Politik auch die beiden neuen Vorstände von Vorwerk in Wuppertal eine Festrede halten. »Wir sind nach wie vor eng«, erzählt Multhaupt. »Wir haben schließlich eine lange gemeinsame Historie und die kippt man nicht nach zwei, drei Jahren über Bord.« 
Einige Änderungen gab und gibt es derweil bei den Kollektionen. »Wir haben ›Nordpfeil‹ wiederbelebt, um Ri­siko­minimierung für uns zu betreiben. Schließlich ist so eine Marke keine Licht-an-/Licht-aus-Entscheidung, sondern muss über die Jahre erst wachsen«, weiß Multhaupt. Unter der eta­blier­ten Marke »Nordpfeil« haben die Hamelner nunmehr zwei Kollektionen im Angebot. Da wäre zum einen für den B2C-Bereich die »alte« Hotel-Kollektion »Stay«, die noch häufiger angefragt und deshalb in 2022 neu aufgelegt wurde. Zum anderen wurde für den B2B-Bereich Anfang 2021 die Teppichfliesen-Kollektion »Moorea« als Zukaufprodukt ins Programm genommen, um auch Segmente unterhalb von High-End preislich bedienen zu können. 
Unter der Marke »Vorwerk« haben die Hamelner Teppichwerke bis dato zwei hochwertige Kollektionen für den Handelsbereich im Portfolio. Bei beiden wurden die kurzzeitig eingeführten Produkt-Zahlen bereits wieder über Bord geworfen – jetzt kehren auch die Kollektionen mit ihren alten Namen zurück. Anfang 2024 wird die Nach­folge­kollektion der »Best of Living« unter dem alten Namen »Fascination« auf den Markt kommen. Die Objektware »Best of Contract« wird voraussichtlich im Laufe des Jahres 2024 mit einer Nachfolgekollektion unter der ursprünglichen Bezeichnung »Projection« neu aufleben. Bereits Anfang 2022 kam zudem die Einstiegs- und Volumen­kollektion »Passion« speziell für den Handel mit der Zielgruppe Endverbraucher auf den Markt.
Eine absolute Neuheit ist schließlich eine Sauberlaufzone für den Objektbereich, die mit dem Klettverlegesystem »EcoFix« in Kombination mit anderen gekletteteten Teppichböden angebracht und entsprechend ohne viel Aufwand verlegt und ausgetauscht werden kann.

Im Dreiklang
Das Außendienst-Team wurde seit dem Management-Buy-out in 2020 fast komplett erneuert, Millionenbeträge unter anderem in neue Schneidetische investiert und das Marketing- bzw. Bemusterungskonzept für den Objektbereich generalüberholt. »Wir sind weg von den Koffern, weil es einfach kontraproduktiv war, mit einem Koffer auf der Baustelle zu erscheinen«, so Cyrener. Stattdessen wurde ein »Dreiklang« geschaffen, mit dem die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kunden zukünftig bedient werden können. 
Seit letztem Jahr gibt es das »Workbook« in übersichtlicher Katalogform, welches sich an Kunden wie Architekten und Planer richtet und alle zwölf bis 15 Monate aktualisiert wird. Im Sommer erscheint bereits die zweite Auflage »Workbook #2«. Diese wird um die »Passion«-Kollektion und den Bereich B2C erweitert sein und dann nahezu alle Produkte der Hamelner beinhalten. Für Kunden, die zumindest ein paar Muster zum Anfassen haben wollen, gibt es die Übersichtskarten, die nach den Herstellungstechniken Cut, Loop und Woven sortiert sind. Jedes Produkt ist im Original, jedoch mit maximal zwei Trend-Farben enthalten; ein QR-Code leitet weiter zur digitalen Farbpalette. Für Detailverliebte sind schließlich die Einzelkarten gedacht, auf denen die Produkte im Original und mit allen Farben präsentiert sind. Der Verkaufsleiter B2B freut sich: »So wie wir die Bemusterung jetzt gelöst haben, ist es wirklich praktisch und kommt bei den Kunden extrem gut an.« Es hat sich also einiges getan bei den Hamelner Teppichwerken. Umso mehr ein Grund zu feiern. OBJEKT wird in der Ausgabe 5/2023 über die Jubi­läums­veranstaltung berichten! 

Henrike Sühling

Von links: Mirja Toros, Verkaufsleiterin Deutschland B2C, Martin Multhau... mehr

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