Vorwerk flooring stellt sich neu auf
Die Vorwerk Teppichwerke werden in Zukunft als eigenständiges Unternehmen außerhalb des Vorwerk-Konzerns am Standort Hameln geführt. Der Vorwerk-Konzern wird die Entwicklung des Geschäfts inklusive der Lizenzierung der Marke »Vorwerk« unterstützen und seinen Beitrag zum Fortbestand des Unternehmens leisten.
Mitte September war es soweit: Der Vorwerk-Konzern hat mit dem Management-Team der Vorwerk Teppichwerke das sogenannte Closing des Management-Buy-outs vollzogen.
Aber wer sind die »Neuen« in der Geschäftsführung, und wie geht es jetzt weiter? Um diese und andere Fragen ging es im Gespräch mit Martin Multhaupt, Geschäftsführender Gesellschafter Vorwerk flooring, und Dirk Cyrener, Key-Account-Manager Office & Industry, in der Redaktion OBJEKT.
Neustart nach Management-Buy-out
Die Vorwerk Teppichwerke sind jetzt eigenständig und gehören nicht mehr zum Vorwerk-Konzern mit Sitz in Wuppertal. Von nun an sind die beiden Geschäftsführer Tobias Arnold, zuständig für die Bereiche Finanzen, Verwaltung und Produktion, und Martin Multhaupt, zuständig für die Bereiche Marketing und Vertrieb, auch gesellschaftsrechtlich Eigentümer und werden die Teppichwerke als eigenständiges Unternehmen außerhalb des Konzerns weiter betreiben. Weiterer Gesellschafter ist Jürgen Zinke, der für die Produktionsleitung verantwortlich ist.
Wie kam es überhaupt zu dem Wechsel?
Wer Vorwerk kennt, weiß, dass die Teppichwerke 1883 bei der Gründung die Keimzelle des Vorwerk-Konzerns waren, mittlerweile jedoch schon lange nicht mehr Kernbereich der Unternehmensaktivitäten. Und so hatte man sich entschlossen, die Teppichsparte unter starke Beobachtung zu stellen. Nachdem ein Deal mit einem Investor nicht zustande kam und ein Verkauf zurzeit offensichtlich nicht besonders attraktiv zu sein schien, hatte der Vorwerk-Konzern beschlossen, sich von der Teppichsparte zu trennen und das Werk zu schließen.
Martin Multhaupt sagt: »Wir vom Management-Team haben dann Kontakt zum Mutterkonzern aufgenommen und angefragt, ob man das Angebot, das man dem Investor gemacht hatte, nicht auch dem Management unterbreiten könne, um dann in Verhandlungen einzutreten.«
Dieser Anfrage wurde durch den Beirat stattgegeben, und so konnte man letztendlich die Gespräche aufnehmen.
In kürzester Zeit, das heißt seit Mitte/Ende Juni 2020, wurden die Verhandlungen geführt und mit dem Closing am 17. September 2020, rückwirkend zum 1. August 2020, abgeschlossen.
»Wir haben einen sehr, sehr fairen Deal bekommen. Wir sind so ausgestattet, dass, wenn jetzt nicht gleich die Welt zusammenbricht, wir eine gute Chance haben, das Unternehmen auf solide Füße zu stellen und nicht nach sechs oder zwölf Monaten sagen müssen, es war einen Versuch wert, aber wir haben es nicht geschafft. Das wird nicht passieren«, so Multhaupt.
Zum Management-Buy-out gebe es bereits positive Aussagen von Kundenseite in Bezug auf die Fortführung der Geschäftsverbindungen. Die Geschäftstätigkeiten werden also weiterhin unter der Marke »Vorwerk flooring« stattfinden. Die Vorwerk-Gruppe hat ihre Unterstützung für die Weiterführung des Geschäfts in den kommenden Jahren zugesichert und leistet so ihren Beitrag zum Fortbestand. Produktion, Verwaltung, Vertrieb und der Fabrikverkauf sollen weiter in Hameln bleiben. Die Unterstützung umfasst auch die Lizenzierung der Marke »Vorwerk«. Die Laufzeit der aktuellen Kollektionen »Passion«, »Best of Contract«, »Best of Living« sowie der Fliesenkollektion »SL Sonic« ist damit unverändert gewährleistet.
Wie sieht es mit der Vertriebsstruktur bei Vorwerk flooring aus?
»Die Stärke der Marke ›Vorwerk‹ liegt ganz klar im Endverbraucherbereich. Wir haben vor Jahren noch einmal eine Umfrage gemacht. Und wenn es eine ungestützte Teppichbodenmarke gibt, dann ist es ›Vorwerk‹. Problem hierbei ist, dass es sich mehr und mehr auf die ältere Generation bezieht.
Im Objektbereich sind wir schwach aufgestellt. Wir haben zwar seit Jahren einen B2B-Vertrieb aufgebaut, aber der hat sich einfach aus der Stärke des Handels entwickelt, und hier reden wir über eine Auftragsgrößenordnung von 800 bis 1500 m², wenn es hoch kommt. Die Architekten sind nicht mehr besucht worden, hier gab es manchmal Zufallstreffer. Das, was bisher unter B2B deklariert wurde, würde ich nicht als B2B-Vertrieb bezeichnen, das ist kleiner Objektvertrieb, der über den Handel abgewickelt wird, mehr nicht«, erklärt Multhaupt.
In den letzten zwei Jahren hatte man es sich zur Aufgabe gemacht, den Objektvertrieb im Inland zu stärken, der gleichzeitig auch personell neu ausgerichtet wurde. Das Key-Account-Management wurde »on top« mit eingebunden und für die Bereiche Industrie, Banken und Versicherungen, Fach- und Einzelhandel sowie Hotellerie neu besetzt.
Auf den ausländischen Märkten ist Vorwerk überwiegend mit Handelsvertretern unterwegs. Hier ist die Zielsetzung, den internationalen Markt zu stärken und sich auf die Schlüsselmärkte Frankreich, Benelux und England zu konzentrieren. Stark vertreten sei man in Osteuropa wie beispielsweise Polen und Tschechien, aber auch in Russland. Neue Geschäfte zu generieren hat man sich für Nordamerika vorgenommen, weil, wie in England auch, der nordamerikanische Markt sehr stark textilaffin ist.
Aktuelle Kollektionen
Seit April 2018 ist die Kollektion »Passion« auf dem Markt, die in erster Linie für den Handel mit der Zielgruppe Endverbraucher bestimmt ist. Mit rund 7500 Kollektionskoffern ist sie auf dem deutschen Markt bei Handelspartnern gut vertreten.
Für den Objektbereich wurden seit Ende 2018 bis Frühjahr/Sommer 2019 insgesamt 43 Produkte in Form von Einzelkarten auf den Markt gebracht. Aus den einzelnen Karten hat Vorwerk flooring die Kollektionen »Best of Contract« und »Best of Living« entwickelt. Die hochwertige »Best of Living«-Kollektion ist die Nachfolge-Kollektion von »Fascination«.
Neben der klassischen Bahnenware werden die 16 »Best of Living«-Qualitäten auch als Kettel- und Deluxe-Teppich angeboten. Bei diesen beiden Varianten ist es möglich, die Größe des abgepassten Teppichs selbst zu bestimmen. Dabei kann entschieden werden, ob der Teppich mit einer farblich passenden oder frei wählbaren Kettelung umfasst wird oder als Deluxe-Teppich mit einer umgeschlagenen Kante einen randlos schönen Abschluss hat.
Beim Aufbau des Sortiments folgt das Unternehmen weiterhin seiner Sortimentslogik, bestehend aus drei Produktlinien sowie drei Stilrichtungen. Die drei Produktlinien »Essential Line«, »Superior Line« und »Exclusive Line« bieten die verschiedenen qualitativen Maßstäbe der Produkte, während die drei Stilrichtungen »Nature Design«, »Classic Design« und »Art Design« zeitgemäße Farbwelten verkörpern, in denen jeder seine bevorzugte Farbe findet.
Der Außendienst ist seit Anfang 2019 mit zwei »Best of«-Kollektionen und der Akustikfliesen-Kollektion »SL Sonic«, die als Extrakt aus allen existierenden Produkten zusammengestellt wurde, unterwegs (siehe hierzu den Beitrag im Sonderthema »Teppichfliese – Teil des modularen Bodenbelagskonzepts«, Seite 72/73). Die Kollektion »SL Sonic« besteht aus zehn Fliesenformen und enthält 120 Artikel mit einer umfassenden Auswahl an Farben, Strukturen und Oberflächen.
»Die Freiformfliesen sind die Stärke der Kollektion. Sie sind von der technischen Ausstattung her sehr stark, und wenn man ein bisschen kreativ ist, kann man in Zeiten von ›Zoning‹ auch mit dem zur Verfügung gestellten Online-Fliesenkonfigurator sehr viel machen«, so Dirk Cyrener.
Die bisher gezeigten Kollektionen bestehen ausschließlich aus Tufting-Produkten. Gibt es keine Webware mehr?
»Webware haben wir heute auch noch im Programm. Da der Anteil am Gesamtumsatz nur rund 15 bis 20 Prozent beträgt, haben wir hier keine eigene Kollektion gemacht. Wir sprechen hier über Objektware, die von Fall zu Fall eingesetzt wird. Da die vorhandenen ›Best of‹-Kollektionen überwiegend vom Handel oder dem ein oder anderen Raumausstatter genutzt werden, macht es für uns keinen Sinn. Wir arbeiten hier mit Einzelkarten, die vom Architekten und Bodenleger bevorzugt werden«, sagt Multhaupt.
»Aber Webware im Objekt ist immer noch ein großes Thema, denn es ist auch ein Stück gelebte Nachhaltigkeit, einen gewebten Teppichboden einzusetzen, weil er eine gewisse Lebensdauer hat. Und wenn man heute Wert auf Strapazierfähigkeit legt, dann muss man sich zwangsläufig mit dem Thema auseinandersetzen«, erklärt Cyrener.
Und mit Themen auseinandersetzen, das macht Vorwerk nun (wieder) – auch mit seinen neuen Teppichboden-Kollektionen, die sich ab jetzt auch wieder verstärkt ihren Weg in den Markt bahnen.
»Wir sehen mit den Weichenstellungen im Sortiment sowie den neuen Listungsprodukten sehr gute Chancen im allgemeinen Handelsgeschäft, dem anstehenden Listungsgeschäft und einem definitiven Wachstum im Objektbereich, getragen durch die neue Struktur im Key-Account-Management«, betont Multhaupt.
Vielen Dank für das Gespräch!
Sabine Langanke
16 Qualitäten der »Best of Living«
»Essential 1008«
Hier bilden die Gegensätze von rustikaler Noppenstruktur und weichem Griff in Kombination mit einer klaren Farbstruktur eine natürliche Oberfläche.
»Essential 1031«
Eine ausdrucksstarke Bouclé-Schlinge, deren quer zur Tuftrichtung verlaufende Rippen dem Teppichboden eine edle, strapazierfähige Weboptik verleihen.
»Essential 1074«
Ein beliebter Schlingen-Klassiker, der schon viele Jahre seine Fans mit höchsten Beanspruchungswerten zu überzeugen weiß.
»Essential 1076«
Die zweifarbig melierte Optik dieses wohnlich weichen Teppichbodens sorgt für heimeliges Flair in jedem Wohnbereich.
»Superior 1041«
Dank seines Fransenlooks sowie der lebendigen, melierten Optik ist er ein echter Blickfang, der wohnliche Akzente setzt und mit akustischen Bestwerten punktet.
»Superior 1049«
Die Oberfläche dieses feinen, schweren Saxonys überzeugt mit einem ausdrucksstarken Pin-Point-Muster und besonders hohen Strapazierwerten.
»Superior 1063«
Die Oberfläche dieses hochwertigen Feinvelours überrascht mit seiner Farbvielfalt und einem feinen Perlglanz, der jeden Einrichtungsstil edel unterstreicht.
»Superior 1064«
Der moderne Softglanz-Saxony lässt den Raum erstrahlen, was nicht nur an seiner ausdrucksstarken Farbpalette liegt. Durch seine weiche Oberfläche vermittelt er ein wohliges Wärmegefühl.
»Superior 1065«
Der strapazierfähige Frisé-Velours überzeugt mit seiner leicht körnigen Oberfläche, die sehr lebendig und natürlich erscheint.
»Superior 1067«
Der Mattglanz-Saxony zeigt, dass sich modernes Design und wohlig softe Gemütlichkeit nicht ausschließen müssen. Seine Oberfläche erzeugt überall ein behagliches Wohngefühl.
»Superior 1069«
Ein Hochkaräter, dessen edles Aussehen und seine harmonische Farbpalette jedem Raum Gestaltung und Leben einhauchen.
»Superior 1071«
Wenn es um Strapazierfähigkeit geht, ist dieser Bodenbelag zu 100 Prozent die sichere Wahl. Zusätzlich sorgt er durch den eingesetzten Effektfaden für eine lebhafte Optik.
»Superior 1072«
Der pflegeleichte, melierte Velours sorgt neben seiner eleganten Leichtigkeit für angenehm warme Füße. Gleichzeitig überzeugt er auch das Auge mit federleichten Marmorierungen.
»Superior 1073«
Wer etwas Einzigartiges sucht, wird diesen Glanz-Saxony finden – er glitzert wie die Sterne am Himmel. Er bildet damit das Highlight der Kollektion.
»Exclusive 1060«
Er verleiht selbst nüchtern eingerichteten Räumen den unvergleichlichen Luxus, den Charme und das Wohlgefühl einer 5-Sterne-Residenz, denn jeder Schritt lässt die Oberfläche einzigartig changieren.
»Exclusive 1066«
Er setzt sowohl beim Gehen als auch beim Sehen einen neuen Markttrend: Er vermittelt üppigen Komfort bei jedem Schritt und hat einen feinen Perlglanz, der seine Oberfläche überzieht.


