Zum Thema Teppichboden-Planken und textile Hartbeläge
Den Aufsatz von Richard A. Kille, Institut für Fußboden- und Raumausstattung, veröffentlichen wir nachstehend gekürzt und redaktionell bearbeitet.
Mit textilen Bodenbelägen (Teppichböden) kennen wir uns seit Generationen gut aus. Was so ein Teppichboden alles kann oder auch verkraftet, möchte ich an dieser Stelle nicht aufzählen, außer die Begriffe wie Komfort, trittelastisch, flauschig, weich etc. In den 1970er Jahren wurden diese Begriffe verwendet, um die Vorzüge eines Teppichbodens in den Vordergrund zu stellen. Zwischenzeitlich hat sich vieles geändert, und wir werden noch weitere Veränderungen erleben.
Wohnraum ist teuer und wird noch teurer, sodass in der Folge die Flächengröße von Wohnungen kleiner wird. Dennoch zeigen kleinere Wohnungen mit neuer Aufteilung mehr Raum für die Bewohner. Küche, Esszimmer und Wohnraum verschmelzen zu einer Einheit. Schlafzimmer, Ankleidezimmer und Bad werden heute mehr optisch als tatsächlich räumlich getrennt. Die Innenausbauweise mit offenen Grundrissen und großen Fensterflächen lässt auch bei einem kompakteren Wohnraum nicht das Gefühl der Enge aufkommen.
Diese Entwicklung zeichnet sich deutlich ab, und bereits im Jahr 2016 hat sich aus Sachverständigensicht gezeigt, dass einhergehend mit dieser Entwicklung zunehmend ein höherwertiger Innenausbau gepflegt wird.
Für Raumausstatter und Maler, die sich mit ganzheitlichen Konzepten in Wohnungen auseinandersetzen und sich gegebenenfalls auch mit individueller Lichtplanung, zum Beispiel im Rahmen einer gewerkeübergreifenden Kooperation, befassen, steht ein neues Zeitalter bevor.
Textile Hartbeläge in Kombination mit LVT-Belägen
Ein Schwerpunkt im IFR Köln ist die Fußbodentechnik und so auch die Vielfalt der Bodenbeläge. Bei Gesamtdicken ab ca. 4,5 mm wirkt, zum Beispiel bei einem flachgewebten Teppich, die textile Nutzschicht eher wie ein Hartbelag. Die mithin sehr strapazierfähigen Oberflächen sind im Eingangsbereich eines Wohnhauses oder einer Wohnung genauso geeignet wie in den Wohn-/Essbereichen oder Kinder- und Arbeitszimmern.
Bisher war es nicht weit verbreitet, dass die Möglichkeit besteht, textile Oberflächen von Bodenbelägen zum Beispiel mit einer Holzdekormaserung oder in Betonoptik zu bedrucken. Jugendstilmuster oder Paisley-Muster in bewusst blassen, vielleicht sogar ausgeblichen wirkenden Farbtönen können so nahezu alle Flächen innerhalb eines Wohnraumes bekleiden.
Obwohl diese Art textiler Hartbeläge nicht für den Einsatz im Bereich von Küchen oder Bädern empfohlen wird, hat der ein oder andere Bauherr bereits auf eigenes Risiko mit der Absicht, einheitliche Flächen herzustellen, mit textilen Fliesen und Planken Küchen und Bäder ausgestattet. Üblicherweise gehören derartige Bodenbeläge nicht in Nassbereiche und sollten also auch nicht für diese Einsatzbereiche empfohlen werden.
Der Trend, Bodenbeläge und so auch textile Hartbeläge nicht dauerhaft kraftschlüssig mit dem Untergrund zu verkleben, hält an, das heißt, sowohl lose legbare Bahnen als auch Fliesen und Planken scheinen in Zukunft die erste Wahl zu sein.
Heute besteht die Möglichkeit, textile Hartbeläge mit lose legbaren Kunststoff-Design-Bodenbelagplanken (LVT-Beläge) zum Beispiel für Küche und Bad etc. Ton in Ton und zum Teil sogar mustergleich zu kombinieren. Das Integrieren einer Teppichinsel im Wohnbereich in der Art, das zum Beispiel hochflorige Teppichfliesen und Planken als »Inlayfloor« integriert werden, ist nur eine Variante der Gestaltungsmöglichkeiten.
Schnelle Systeme
Lose legbare oder auf Trockenklebstoff verlegte Bodenbeläge sind unmittelbar nach Fertigstellung nutzbar. Besonders im privaten Sanierungsbereich sind diese Vorzüge vom Auftraggeber geschätzt, denn nicht immer besteht die Möglichkeit, über längere Zeit auf die betreffenden Räume und Flächen innerhalb einer Wohnung oder eines Hauses zu verzichten.
Zunehmend spielt dieser Faktor auch im Objektbereich eine Rolle, denn Betriebsausfallzeiten sind teuer, sodass das Interesse der Auftraggeber bzw.Nutzer des Objekts darauf abzielt, Ausfallzeiten gering zu halten.
Die Verlegewerkstoff-Industrie hat sich auf diese Entwicklung eingestellt und bietet mit neuesten Entwicklungen im Jahr 2017 sowohl schnell trocknende Multifunktionsvorstriche als auch schnell trocknende Ausgleichs- und Nivelliermassen, die je nach Produkt noch am gleichen Tag mit Bodenbelägen ausgestattet werden können.
Richard A. Kille
Raumausstatter-Meister

