Zwischen Boden und Bildschirm – Wie Social Media das Handwerk verändert
Im deutschen Handwerk vollzieht sich ein leiser, aber tiefgreifender Wandel. Was einst mit Mundpropaganda und Anzeigen in der Lokalzeitung begann, findet heute zunehmend auf Instagram, Facebook und TikTok statt. Auch in den Gewerken unserer Branche wie Bodenleger, Maler, Parkettleger, Raumausstatter und Estrichleger zeigt sich: Wer sichtbar sein will, muss digital präsent sein.
Bitkom-Studie zeigt: Handwerk wird digitaler
Laut der aktuellen Bitkom-Studie vom Oktober 2025 nutzen mittlerweile 56 Prozent der Handwerksunternehmen Social Media aktiv – ein deutlicher Anstieg gegenüber 2022, als es nur 40 Prozent waren. Die beliebtesten Plattformen sind lokale Communities wie nebenan.de, gefolgt von Facebook und Instagram. TikTok und YouTube spielen zwar noch eine untergeordnete Rolle, gewinnen aber gerade bei jüngeren Zielgruppen an Bedeutung.
Handwerk zum Anfassen – Social Media als Bühne für Gestaltung
Für Betriebe, die Räume gestalten, Wände veredeln oder Böden verlegen, ist die visuelle Kraft sozialer Medien ein echter Vorteil. Vorher-Nachher-Bilder, kurze Clips von Arbeitsprozessen oder Einblicke in die Werkstatt erzeugen nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Vertrauen. Kunden sehen, wie gearbeitet wird – und potenzielle Auszubildende, was sie erwartet. Authentizität ist dabei das Schlüsselwort. Wer sich und sein Team zeigt, wer Arbeitsabläufe erklärt und echte Geschichten erzählt, wird als moderner Betrieb wahrgenommen.
Azubis als digitale Botschafter des Handwerks
Gerade die Nachwuchsgewinnung ist ein zentrales Thema. Eine KOFA-Studie vom Januar 2025 zeigt, dass Jugendliche Ausbildungsplätze vor allem über Instagram, YouTube und WhatsApp suchen. Facebook hingegen verliert bei jungen Menschen zunehmend an Relevanz. Unternehmen, die auf den falschen Kanälen kommunizieren, laufen Gefahr, ihre Zielgruppe zu verfehlen.
Dabei sind es oft die Auszubildenden selbst, die den digitalen Wandel im Betrieb vorantreiben. Mehr als die Hälfte der Handwerksunternehmen lässt sich laut Bitkom von ihren Azubis bei der Digitalisierung unterstützen – sei es beim Erstellen von Social-Media-Posts, beim Umgang mit Software oder bei der Nutzung von Cloud-Diensten. Die jungen Fachkräfte bringen nicht nur technisches Know-how mit, sondern auch ein Gespür für Trends und Plattformen.
Mehr als Marketing – Social Media als Zukunftsinvestition
Doch Social Media ist mehr als ein Rekrutierungsinstrument. Es ist ein Ort der Begegnung, des Austauschs und der Wertschätzung. In Zeiten von Fachkräftemangel und steigendem Wettbewerbsdruck bietet die digitale Bühne die Möglichkeit, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren. Wer heute als Bodenleger oder Raumausstatter auf Instagram zeigt, wie ein Raum entsteht, spricht nicht nur Kunden an, sondern auch die nächste Generation von Handwerkern.
Die Herausforderung dabei: Inhalte müssen regelmäßig erstellt, gepflegt und strategisch geplant werden. Doch der Aufwand lohnt sich. Denn Sichtbarkeit ist nicht nur ein Marketingziel – sie ist Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit.
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